Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Der Erfolg bei Kunst-am-Bau-Wettbewerben hängt weniger von der künstlerischen Idee als von der meisterhaften Beherrschung der technischen und administrativen Spielregeln ab.

  • Die Machbarkeitsprüfung entscheidet oft schon vor der Jurysitzung über das Schicksal eines Entwurfs.
  • Versteckte Kosten durch Baupreissteigerungen, Vandalismus und späteren Rückbau können jedes Budget sprengen.
  • Vertragliche Fallstricke und die Missachtung lokaler Bauvorschriften bergen erhebliche finanzielle Risiken.

Empfehlung: Integrieren Sie die proaktive Klärung bürokratischer und technischer Anforderungen als strategischen Bestandteil in Ihren kreativen Prozess, anstatt sie als lästiges Übel zu betrachten.

Der Traum vieler Bildhauer ist es, ein monumentales Werk im öffentlichen Raum zu realisieren – eine Skulptur, die Plätze prägt und Jahrzehnte überdauert. Der Weg dorthin führt in Deutschland fast immer über „Kunst am Bau“-Wettbewerbe öffentlicher Auftraggeber. Die gängige Meinung unter Künstlern ist, dass eine brillante, einzigartige Idee der Schlüssel zum Sieg ist. Man feilt an der Vision, erstellt beeindruckende Skizzen und hofft, die Jury emotional zu überzeugen. In der Praxis ist dies jedoch nur die halbe Wahrheit. Viele hochkarätige Entwürfe landen nie auf dem Tisch der Jury, weil sie an unsichtbaren Hürden scheitern.

Die wahre Herausforderung liegt nicht allein im künstlerischen Ausdruck, sondern in der professionellen Navigation durch ein Minenfeld aus technischen Vorschriften, juristischen Klauseln und finanziellen Unwägbarkeiten. Während die Konkurrenz sich auf die Ästhetik konzentriert, liegt der entscheidende Vorteil darin, die Sprache der Bauämter, der Statiker und der Vertragsjuristen zu sprechen. Es geht darum zu verstehen, warum bestimmte Materialien im öffentlichen Raum ein Haftungsrisiko darstellen, wie man Baukosten über mehrere Jahre realistisch kalkuliert und welche Klausel in einem Vertrag Sie für ein Jahrzehnt zur Kasse bitten kann.

Doch was, wenn die Auseinandersetzung mit diesen scheinbar „unkreativen“ Aspekten nicht nur eine lästige Pflicht, sondern das eigentliche strategische Fundament für den Erfolg ist? Dieser Leitfaden bricht mit dem Mythos des reinen Geniestreichs. Er zeigt Ihnen, wie Sie die typischen Fehler vermeiden, die 50% der Einreichungen vorzeitig disqualifizieren, und wie Sie Ihren Entwurf so gestalten, dass er nicht nur künstlerisch überzeugt, sondern auch technisch machbar, finanziell solide und vertraglich wasserdicht ist. Wir beleuchten die kritischen Punkte, von der Machbarkeitsprüfung über die Materialwahl bis hin zu den versteckten Kosten, die über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Um diese strategischen Aspekte systematisch anzugehen, führt Sie dieser Artikel durch die entscheidenden Phasen und Fallstricke bei Kunst-am-Bau-Wettbewerben. Die folgende Übersicht gibt Ihnen einen klaren Fahrplan an die Hand.

Warum 50% der Entwürfe schon vor der Jury an der Machbarkeitsprüfung scheitern

Viele Künstler glauben, der Wettbewerb beginne mit der Präsentation vor der Jury. In Wahrheit findet die erste und oft härteste Selektion bereits davor statt: in der technischen Vorprüfung, der sogenannten Machbarkeitsprüfung. Hier prüfen Mitarbeiter von Bauämtern und technischen Abteilungen, ob ein Entwurf überhaupt realisierbar ist. Aspekte wie Statik, Baurecht und Sicherheitsvorschriften sind hier entscheidend. Ein Entwurf, der die maximale Bauhöhe der lokalen Landesbauordnung überschreitet oder die Windlasten nach DIN-Norm nicht berücksichtigt, wird sofort aussortiert – unabhängig von seiner künstlerischen Qualität.

Architektonische Pläne und Bauvorschriften auf einem Arbeitstisch, die die Wichtigkeit der Machbarkeitsprüfung symbolisieren.

Diese frühe Hürde wird systematisch unterschätzt. Öffentliche Auftraggeber sind an strikte gesetzliche Rahmenbedingungen gebunden und können kein Projekt favorisieren, das baurechtliche Risiken birgt. Ein proaktiver Nachweis, dass Sie diese Aspekte geprüft haben, ist daher kein bürokratischer Ballast, sondern ein strategischer Vorteil. Sie signalisieren Professionalität und nehmen dem Auftraggeber Arbeit und Sorgen ab. Eine sorgfältig dokumentierte Vorprüfung, die dem Entwurf beigelegt wird, katapultiert Ihre Einreichung auf der Seriositätsskala nach ganz oben.

Ihr Plan zur bestandenen Machbarkeitsprüfung: 5 kritische Checkpunkte

  1. Lokale Bauordnung prüfen: Analysieren Sie die Landesbauordnung (LBO) des jeweiligen Bundeslandes auf maximale Bauhöhen, Grenzabstände und verfahrensfreie Vorhaben.
  2. Windlasten kalkulieren: Überprüfen Sie die Anforderungen der DIN EN 1991-1-4 für Windlasten, abhängig von der spezifischen Windlastzone des geplanten Standorts.
  3. Denkmalschutz klären: Klären Sie bei historischen Umgebungen oder Ensembleschutz frühzeitig die Auflagen der zuständigen Denkmalschutzbehörde.
  4. Bauvoranfrage stellen: Ziehen Sie bei kritischen oder unklaren Aspekten eine formelle Bauvoranfrage nach § 75 der Musterbauordnung in Betracht, um Rechtssicherheit zu erlangen.
  5. Dokumentation erstellen: Fassen Sie alle Prüfschritte, Ergebnisse und eventuelle Korrespondenz in einem Dokument zusammen und legen Sie es als Nachweis Ihrer Sorgfaltspflicht der Wettbewerbseinreichung bei.

Die frühzeitige Auseinandersetzung mit diesen technischen Details ist der erste Schritt, um die häufigsten K.o.-Kriterien zu umgehen. Ein fundiertes Verständnis der Grundlagen der Machbarkeit ist daher unerlässlich.

Wie Sie eine Kostensteigerung von 20% über 3 Jahre Bauzeit einkalkulieren

Eine der größten Gefahren bei Langzeitprojekten ist die naive Kostenkalkulation. Ein Preis, der heute für Material und Fertigung gilt, kann in drei Jahren völlig unrealistisch sein. Öffentliche Bauprojekte ziehen sich oft über Jahre hin, von der Jurysitzung über die Planungsphase bis zur finalen Realisierung. In dieser Zeit steigen die Preise für Rohstoffe, Energie und Fachleistungen kontinuierlich. Eine Kalkulation, die keine ausreichenden Puffer für Preissteigerungen vorsieht, ist nicht nur unprofessionell, sondern kann für den Künstler existenzbedrohend werden, wenn er vertraglich an einen Festpreis gebunden ist.

Professionelle Planung bedeutet, die Baupreisentwicklung zu antizipieren. Anstatt mit tagesaktuellen Preisen zu rechnen, müssen Sie Indexsteigerungen einkalkulieren. Das Statistische Bundesamt liefert hierzu verlässliche Daten. Beispielsweise sind die Preise für bestimmte Bauleistungen deutlich gestiegen, was direkt die Kosten für Skulpturen beeinflusst. Diese Zahlen sind keine abstrakte Statistik, sondern die Grundlage für eine seriöse und risikobewusste Budgetierung. Eine detaillierte Aufschlüsselung zeigt, wo die größten Kostenfallen lauern, wie eine aktuelle Analyse der Baupreise belegt.

Preisentwicklung ausgewählter Bauleistungen in Deutschland (Mai 2023 – Mai 2024)
Bauleistung Preissteigerung Mai 2023-2024 Besondere Relevanz für Kunst am Bau
Metallbauarbeiten +3,0% Skulpturen, Tragkonstruktionen
Heizanlagen/Wärmepumpen +6,0% Beheizte Installationen
Elektroinstallationen +7,1% Beleuchtete Kunstwerke
Wärmedämmverbundsysteme +2,8% Wettergeschützte Außenkunst

Kalkulieren Sie daher nicht nur die reinen Material- und Herstellungskosten, sondern planen Sie einen Risikoaufschlag von mindestens 5-7% pro Jahr Bauzeit ein. Bei einer Projektlaufzeit von drei Jahren entspricht dies einem Puffer von ca. 20%. In Ihrer Einreichung sollten Sie dies transparent als „indexbasierte Preisanpassung“ oder „Puffer für Baukostenentwicklung“ ausweisen. Dies zeigt der Jury, dass Sie wirtschaftlich denken und ein verlässlicher Partner für den öffentlichen Auftraggeber sind.

Eine realistische Finanzplanung ist ein Zeichen von Professionalität. Verinnerlichen Sie daher die Notwendigkeit, dynamische Kostensteigerungen fest einzuplanen, um finanzielle Schieflagen zu vermeiden.

Warum GFK im öffentlichen Raum oft eine schlechte Wahl wegen Vandalismus ist

Glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) ist bei Künstlern beliebt: Er ist leicht, relativ günstig und lässt sich in komplexe Formen bringen. Für den Einsatz im frei zugänglichen öffentlichen Raum erweist er sich jedoch oft als problematische Wahl. Der Hauptgrund ist seine Anfälligkeit für Vandalismus. Während massive Materialien wie Bronze, Cortenstahl oder ultra-hochfester Beton (UHPC) eine hohe Widerstandsfähigkeit aufweisen, können GFK-Oberflächen relativ leicht zerkratzt, eingedellt oder mit scharfen Gegenständen beschädigt werden. Noch gravierender ist das Problem mit Graffiti.

Die Entfernung von Farbschmierereien von GFK ist kompliziert und teuer. Aggressive Lösungsmittel können die Oberfläche des Kunststoffs selbst angreifen und dauerhaft beschädigen. Dies führt zu hohen und wiederkehrenden Wartungskosten für den öffentlichen Auftraggeber – ein Aspekt, der in jeder Lebenszykluskostenanalyse negativ zu Buche schlägt. Angesichts von fast 100.000 polizeilich erfassten Fällen von Graffiti-Sachbeschädigungen allein im Jahr 2023 in Deutschland ist dieses Risiko nicht zu vernachlässigen.

Nahaufnahme von ultra-hochfestem Beton mit einer speziellen Anti-Graffiti-Beschichtung, die die Materialüberlegenheit demonstriert.

Die strategisch klügere Wahl sind Materialien, die Vandalismus von vornherein erschweren oder deren Reinigung einfach ist. UHPC-Beton mit Anti-Graffiti-Beschichtung, Edelstahl oder feuerverzinkter Stahl sind hier oft überlegen. Diese Materialien signalisieren Robustheit und Langlebigkeit und reduzieren die langfristigen Unterhaltskosten für die Kommune erheblich. Die Materialwahl ist somit kein rein ästhetisches, sondern ein zutiefst strategisches Statement über die Nachhaltigkeit und den Respekt vor dem öffentlichen Eigentum. Eine Jury wird eine solche vorausschauende Planung honorieren.

Die Entscheidung für das richtige Material hat weitreichende Konsequenzen. Reflektieren Sie daher sorgfältig, warum die Vandalismusresistenz ein entscheidendes Kriterium ist.

Modell oder Rendering: Was überzeugt eine Jury aus Laien und Fachleuten mehr?

Die Präsentation des Entwurfs ist der Moment der Wahrheit. Doch wie überzeugt man eine Jury, die heterogener nicht sein könnte? Sie besteht typischerweise aus Fachleuten (Architekten, Kunsthistoriker), Vertretern der Verwaltung (Bauamt), Politikern und oft auch Anwohnervertretern. Jede dieser Gruppen hat eine andere „Sprache“ und andere Bewertungskriterien. Ein hochauflösendes, fotorealistisches Rendering mag den Architekten begeistern, kann aber auf den Laien kühl und unnahbar wirken. Ein physisches Modell hingegen ist haptisch, es schafft eine emotionale Verbindung und macht Dimensionen begreifbar.

Der Fehler vieler Künstler ist es, sich für das eine oder andere Medium zu entscheiden. Die überlegene Strategie ist jedoch die Kombination beider Welten. Ein präzise gearbeitetes physisches Modell spricht die Sinne an und vermittelt Materialität und Präsenz im Raum. Es ist das Herzstück Ihrer Präsentation. Ergänzend dazu sollten Sie digitale Visualisierungen nutzen, die das Werk in seinem spezifischen Kontext zeigen. Fotomontagen, die die Skulptur bei Tag, bei Nacht, im Sommer und im Winter zeigen, helfen insbesondere den Politikern und Anwohnern, sich die positive Wirkung auf das Stadtbild vorzustellen.

Der Schlüssel liegt darin, für jede Interessengruppe der Jury das passende Argumentationsmaterial bereitzustellen. Ihre Präsentation sollte ein modulares Paket sein, das gezielt auf die unterschiedlichen Perspektiven eingeht. So zeigen Sie nicht nur Ihre künstlerische Vision, sondern auch Ihr Verständnis für die komplexen Anforderungen eines öffentlichen Projekts.

  • Für Politiker und Öffentlichkeitsvertreter: Erstellen Sie Fotomontagen, die die positive Außenwirkung des Kunstwerks im Wechsel der Jahreszeiten und bei verschiedenen Lichtverhältnissen visualisieren.
  • Für das Bauamt und technische Prüfer: Fügen Sie detaillierte Wartungspläne, eine Lebenszykluskostenanalyse und technische Zeichnungen zur Fundamentierung und Verankerung bei.
  • Für Kunsthistoriker: Ordnen Sie Ihr Werk in einem kurzen Text in den kunsthistorischen Kontext ein und zeigen Sie auf, welche zeitgenössischen Diskurse Sie aufgreifen.
  • Für Architekten des Gebäudes: Liefern Sie technische Zeichnungen und Details, die zeigen, wie sich Ihr Werk harmonisch oder als bewusster Kontrapunkt in die bestehende Gebäudestruktur integriert.
  • Für Anwohnervertreter: Nutzen Sie das physische Modell, um eine emotionale Verbindung zu schaffen. Erklären Sie die Materialwahl und wie das Werk auf den Ort reagiert.

Die Überzeugungskraft Ihrer Präsentation hängt von der Fähigkeit ab, verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Analysieren Sie daher genau, welches Präsentationsmittel welche Jury-Mitglieder am besten erreicht.

Der Fehler im Vertrag, der Sie 10 Jahre lang für die Reinigung zahlen lässt

Der Wettbewerb ist gewonnen, der Jubel ist groß. Doch die größte finanzielle Falle lauert oft im Kleingedruckten des Vertrags: unklare Regelungen zu Gewährleistung, Wartung und Instandhaltung. Viele Standardverträge öffentlicher Auftraggeber basieren auf der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B). Diese sieht eine Gewährleistungsfrist von üblicherweise vier bis fünf Jahren vor (§ 13 VOB/B). In dieser Zeit sind Sie für Mängel verantwortlich, die auf fehlerhafte Ausführung oder Materialfehler zurückzuführen sind.

Gefährlich wird es, wenn der Vertrag schwammige Formulierungen wie die Verpflichtung zur „Aufrechterhaltung des einwandfreien Zustands“ enthält und nicht klar zwischen Gewährleistung und Wartung trennt. Eine solche Klausel kann so interpretiert werden, dass Sie auch für die Beseitigung von Verschmutzungen, witterungsbedingter Abnutzung oder sogar leichten Vandalismusschäden verantwortlich sind – und das potenziell weit über die Gewährleistungsfrist hinaus. Ohne eine klare Regelung kann der Auftraggeber argumentieren, die Reinigung sei Teil der Gewährleistung für eine „einwandfreie“ Oberfläche. Im schlimmsten Fall zahlen Sie jahrelang für die Pflege Ihres Werks.

Nach den Richtlinien des BMVBS trägt die öffentliche Hand mit ihren Bauwerken eine besondere Verantwortung und hat eine Vorbildfunktion in der Baukultur.

– Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Leitfaden Kunst am Bau

Diese Vorbildfunktion schließt auch faire Verträge mit Künstlern ein. Bestehen Sie daher auf einer vertraglichen Absicherung. Definieren Sie exakt, was unter Gewährleistung fällt und was als Wartung gilt. Bieten Sie einen separaten, optionalen Wartungsvertrag an, der die Leistungen (z.B. jährliche Reinigung, Konservierung) und die dafür fällige Vergütung klar regelt. Ein entscheidender Schritt ist die formelle Abnahme des Werks nach § 12 VOB/B, bei der in einem Protokoll der mängelfreie Zustand bei Übergabe festgehalten wird. Die Investition in eine anwaltliche Prüfung des Vertragsentwurfs (ca. 500-1.500 €) ist eine der besten Versicherungen gegen unkalkulierbare Folgekosten.

Vertragssicherheit ist kein Misstrauensvotum, sondern die Basis einer professionellen Zusammenarbeit. Machen Sie sich bewusst, welche Formulierungen im Vertrag langfristige finanzielle Verpflichtungen auslösen können.

Der Fehler im Bebauungsplan: Wann müssen Sie Ihre Gartenskulptur wieder abreißen?

Die Installation von Kunst im öffentlichen oder halböffentlichen Raum ist kein rein künstlerischer Akt, sondern ein Bauvorhaben, das dem öffentlichen Baurecht unterliegt. Ein fundamentaler Fehler ist die Annahme, Kunst sei per se genehmigungsfrei. Ob eine Skulptur eine Baugenehmigung benötigt, hängt von den Landesbauordnungen (LBO) der 16 Bundesländer ab, die unterschiedliche Grenzen für Höhe und Volumen von verfahrensfreien Anlagen definieren. Eine drei Meter hohe Skulptur, die in Bayern ohne Genehmigung aufgestellt werden darf, kann in Nordrhein-Westfalen bereits genehmigungspflichtig sein.

Besonders heikel wird es in bebauten Gebieten. Hier greift das sogenannte Einfügungsgebot nach § 34 Baugesetzbuch (BauGB). Es besagt, dass sich ein neues Vorhaben in die „Eigenart der näheren Umgebung“ einfügen muss. In einem historischen Stadtteil mit denkmalgeschützten Fassaden kann eine hochmoderne, provokante Skulptur als „nicht eingefügt“ und damit als unzulässig eingestuft werden. Wenn die Baubehörde zu diesem Schluss kommt, kann sie den Abriss des Kunstwerks anordnen – selbst wenn es bereits steht und bezahlt ist.

Die einzige Möglichkeit, dieses Risiko zu minimieren, ist die proaktive und frühzeitige Kommunikation mit der lokalen Baubehörde. Suchen Sie das Gespräch, noch bevor Sie den Entwurf finalisieren. Bereiten Sie eine schlüssige Argumentation vor, warum Ihr Werk sich einfügt oder warum es als bewusster, aber städtebaulich verträglicher Kontrapunkt konzipiert ist. Eine schriftliche Bestätigung der Behörde oder eine positive Bauvoranfrage gibt Ihnen die nötige Rechtssicherheit. Die wichtigsten Prüfschritte sind:

  • Standort analysieren: Liegt der Standort im Geltungsbereich eines Bebauungsplans (§ 30 BauGB), im unbeplanten Innenbereich (§ 34 BauGB) oder im Außenbereich (§ 35 BauGB)?
  • Landesbauordnung prüfen: Kontrollieren Sie die LBO des Bundeslandes auf die Kriterien für verfahrensfreie (genehmigungsfreie) Kunstwerke, insbesondere Höhen- und Volumengrenzen.
  • Abstimmung suchen: Suchen Sie frühzeitig den Dialog mit der zuständigen Baubehörde, um die Zulässigkeit Ihres Entwurfs informell vorab zu klären.
  • Abstimmungen dokumentieren: Halten Sie alle Gespräche und Ergebnisse in Protokollen fest, um im Zweifelsfall Nachweise zu haben.

Das Baurecht ist ein entscheidender Faktor, der über die Existenz Ihres Werkes bestimmt. Ein grundlegendes Verständnis der planungsrechtlichen Rahmenbedingungen ist daher für jeden Künstler im öffentlichen Raum unerlässlich.

Das Wichtigste in Kürze

  • Von der Vision zur Machbarkeit: Der Fokus muss sich von der reinen künstlerischen Idee auf die technische und rechtliche Umsetzbarkeit erweitern.
  • Von den Herstellungskosten zu den Lebenszykluskosten: Eine professionelle Kalkulation berücksichtigt Inflation, Wartung, Vandalismusresistenz und den späteren Rückbau.
  • Von der Präsentation zur Absicherung: Überzeugende Modelle sind wichtig, aber wasserdichte Verträge und die Kenntnis des Baurechts sichern Ihr Projekt langfristig ab.

Die Kostenfalle Logistik: Warum der Abbau oft teurer ist als der Aufbau

Ein Aspekt, der in fast allen Wettbewerbsbeiträgen fehlt, aber für öffentliche Auftraggeber von wachsender Bedeutung ist, sind die Kosten für den Rückbau. Viele Kunstinstallationen sind nur für einen temporären Zeitraum geplant. Doch was passiert danach? Die Demontage, der Transport und die fachgerechte Entsorgung einer großen Skulptur können immense Kosten verursachen, die oft die ursprünglichen Aufbaukosten übersteigen. Ein Auftraggeber, der heute eine Entscheidung trifft, muss auch die finanziellen Konsequenzen in zehn oder zwanzig Jahren im Blick haben.

Hier liegt eine enorme strategische Chance für Künstler. Indem Sie das Konzept des „Design for Disassembly“ (rückbaufreundliches Design) in Ihren Entwurf integrieren, heben Sie sich von 99% der Mitbewerber ab. Ein modulares Konzept, das von Anfang an die spätere Demontage berücksichtigt, wird bei öffentlichen Auftraggebern als wichtiger Nachhaltigkeitsaspekt und Zeichen wirtschaftlicher Vernunft äußerst positiv bewertet. Sie zeigen, dass Sie nicht nur an die Schaffung, sondern auch an den gesamten Lebenszyklus Ihres Werkes denken.

Die versteckten Kosten beim Rückbau sind erheblich, wie eine Analyse der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nahelegt. Genehmigungen und Begleitungen, die für den initialen Sondertransport nötig waren, fallen erneut an. Zusätzlich kommen aber neue, erhebliche Kostenblöcke hinzu, die beim Aufbau keine Rolle spielten.

Vergleich versteckter Kosten bei Aufbau und Rückbau öffentlicher Kunst
Kostenfaktor Aufbau Rückbau Mehrkosten Faktor
Sondertransport-Genehmigung Einmalig Erneut erforderlich 1x
Statikprüfung Transportroute Initial Aktualisierung nötig 0,5x
Polizeibegleitung Streckenabhängig Gleiche Kosten 1x
Entsorgungsnachweise (KrWG) Nicht relevant Zwingend erforderlich Zusätzlich 15-20%
Zertifizierter Entsorgungsbetrieb Nicht nötig Pflicht Zusätzlich 25-30%

Die Logistik des Endes von Anfang an mitzudenken, ist ein starkes Verkaufsargument. Machen Sie sich die oft unterschätzten Kosten des Rückbaus bewusst und nutzen Sie dieses Wissen als strategischen Vorteil im Wettbewerb.

Welche Brandschutzauflagen müssen Sie erfüllen, wenn Besucher durch Ihre Kunst laufen sollen?

Begehbare Installationen, die den Betrachter einladen, das Werk nicht nur anzusehen, sondern es physisch zu durchschreiten und zu erleben, sind besonders reizvoll. Sobald eine Installation jedoch für den Aufenthalt von Personen konzipiert ist, wird sie aus rechtlicher Sicht zu einem Bauwerk, das strengen Brandschutzauflagen unterliegt. Die Missachtung dieser Vorschriften ist nicht nur gefährlich, sondern führt unweigerlich zur Disqualifikation des Entwurfs.

Die zentrale Frage ist, ob Ihr Kunstwerk unter die Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättV) fällt. Dies ist in der Regel der Fall, wenn die Installation für mehr als eine bestimmte Anzahl von Besuchern gleichzeitig ausgelegt ist. Die MVStättV stellt hohe Anforderungen an Rettungswege (Mindestbreiten, maximale Längen), Notbeleuchtung und vor allem an das Brandverhalten der verwendeten Baustoffe. Die Wahl des falschen Materials kann zu enormen Folgekosten für Kompensationsmaßnahmen wie Brandmeldeanlagen oder Sprinklersysteme führen.

Die strategisch intelligenteste Vorgehensweise ist die Verwendung von Baustoffen der Klasse A1 („nicht brennbar“) nach DIN 4102-1, wie zum Beispiel Beton, Stahl oder Glas. Wie eine Kostenanalyse für öffentliche Bauten zeigt, können durch den Einsatz von A1-Materialien erhebliche Kosten eingespart werden, da auf teure technische Brandschutzanlagen verzichtet werden kann. Einsparungen von bis zu 40% sind hier realistisch.

Der entscheidende Schritt ist auch hier die frühzeitige Abstimmung mit der lokalen Brandschutzdienststelle. Präsentieren Sie Ihren Vorentwurf und klären Sie die Anforderungen, bevor Sie hunderte Stunden in die Detailplanung investieren. Ein Gesprächsprotokoll dieser Abstimmung, das Sie Ihrer Wettbewerbseinreichung beilegen, ist ein unschätzbar wertvoller Nachweis Ihrer Professionalität und nimmt der Jury jegliche Bedenken hinsichtlich der Sicherheit und der Folgekosten.

  • Rechtliche Einordnung: Prüfen Sie, ob Ihr Werk unter die Kriterien der Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättV) fällt.
  • Materialwahl: Priorisieren Sie Baustoffe der Klasse A1 (nicht brennbar) wie Stahl oder Beton, um aufwändige Kompensationsmaßnahmen zu vermeiden.
  • Rettungswegplanung: Definieren Sie klare Rettungswege mit ausreichenden Breiten und legen Sie eine maximale, sichere Besucherzahl für Ihre Installation fest.
  • Frühzeitige Abstimmung: Suchen Sie vor der finalen Einreichung das Gespräch mit der lokalen Brandschutzdienststelle und lassen Sie sich die Anforderungen bestätigen.
  • Dokumentation: Fügen Sie das Protokoll der Brandschutzabstimmung als Anhang zu Ihren Wettbewerbsunterlagen hinzu.

Sicherheit ist bei öffentlichen Projekten nicht verhandelbar. Ein tiefes Verständnis der geltenden Brandschutzauflagen ist für die Realisierung begehbarer Kunstwerke absolut entscheidend.

Beginnen Sie noch heute damit, diese strategische Denkweise in Ihren kreativen Prozess zu integrieren. Sehen Sie die bürokratischen und technischen Anforderungen nicht als Hindernis, sondern als Chance, sich als kompetenter und verlässlicher Partner für öffentliche Auftraggeber zu positionieren und so Ihre nächste Wettbewerbseinreichung zum Erfolg zu führen.

Geschrieben von Katja Brennecke, Freischaffende Bildhauerin und Expertin für Gießereitechnik und Installation im öffentlichen Raum. 15 Jahre Praxis in der Realisierung monumentaler Skulpturen und kinetischer Objekte.