
Die Wahl zwischen Kupferstich und Kaltnadel ist keine Frage der Technik, sondern eine Entscheidung über das Schicksal und den Charakter Ihrer gezeichneten Linie.
- Die samtige, reiche Linie der Kaltnadel ist ein flüchtiger Moment, dessen Leben von der Zerbrechlichkeit des Grats abhängt und nur wenige Abzüge überdauert.
- Der Kupferstich bietet ewige Präzision und hohe Auflagen, verlangt aber vom Künstler absolute Kontrolle und unterwirft die Linie einem unumkehrbaren, scharfen Schnitt.
Empfehlung: Wägen Sie ab, ob Sie die organische, sich verändernde Spur eines Moments festhalten (Kaltnadel) oder eine bewusste, dauerhafte und wiederholbare Aussage treffen wollen (Kupferstich).
Jeder Zeichner kennt das Gefühl: die direkte, fast intime Verbindung zwischen Hand, Stift und Papier. Wenn dieser Strich jedoch in die Welt der Druckgrafik übersetzt werden soll, steht man vor einer fundamentalen Entscheidung, die weit über das Werkzeug hinausgeht. Oft wird die Wahl zwischen Kupferstich und Kaltnadel auf eine einfache Formel reduziert: Der Kupferstich sei für seine gestochen scharfen, klaren Linien bekannt, die Kaltnadel für ihren weichen, malerischen Charakter. Diese Unterscheidung ist zwar korrekt, kratzt aber nur an der Oberfläche eines vielschichtigen handwerklichen Prozesses.
Die wahre Entscheidung liegt nicht in der Ästhetik allein, sondern in der physischen Realität des Materials. Es ist eine Auseinandersetzung mit der Material-Ehrlichkeit von Kupfer, Zink, Farbe und Papier. Die entscheidende Frage lautet: Welches Schicksal soll Ihre Linie erfahren? Soll sie die dauerhafte, scharf definierte Spur eines kontrollierten Schnitts sein, wie sie der Stichel im Kupfer hinterlässt? Oder soll sie die vergängliche, samtige Präsenz eines aufgeworfenen Grats annehmen, der bei jedem Druckvorgang ein wenig von seiner Kraft verliert? Das ist der Kern der Auseinandersetzung mit dem Tiefdruck.
Dieser Artikel führt Sie durch die kritischen handwerklichen Überlegungen, die ein Meister-Drucker anstellt. Wir werden uns nicht nur mit den Werkzeugen beschäftigen, sondern mit den Konsequenzen jeder Entscheidung – von der Lebensdauer Ihrer Druckplatte über die exakte Befeuchtung des Papiers bis hin zur Kunst, eine Platte ohne gesundheitsschädliche Säuren zu bearbeiten. Es ist eine Reise in die Physik des Druckens, die den wahren Charakter Ihrer Linie offenbart.
Um diese tiefgreifenden Techniken und ihre jeweiligen Feinheiten zu meistern, ist ein strukturierter Überblick unerlässlich. Die folgende Gliederung führt Sie durch die entscheidenden Aspekte, die den Unterschied zwischen einem guten und einem meisterhaften Druck ausmachen.
Inhaltsverzeichnis: Die Kunst der expressiven Linie im Tiefdruck
- Warum Ihre Kaltnadelradierung nur 10 gute Abzüge erlaubt und dann flach wirkt
- Wie nass muss das Papier sein, damit es die Farbe aus den Rillen saugt?
- Der Fehler bei der Druckeinstellung, der Ihre Kupferplatte verbiegt
- Wie viel Farbe lassen Sie auf der Platte, um Atmosphäre zu erzeugen?
- Können Sie einen zu tiefen Strich im Kupfer wieder unsichtbar machen?
- Tischpresse oder Standpresse: Was reicht für A3-Editionen wirklich aus?
- Sieht man dem Druck an, dass er ohne Säure entstanden ist?
- Wie ätzen Sie Metallplatten ohne gefährliche Säuren und Gesundheitsrisiko?
Warum Ihre Kaltnadelradierung nur 10 gute Abzüge erlaubt und dann flach wirkt
Die Magie der Kaltnadelradierung liegt im sogenannten Grat – dem feinen Metallkamm, den die Nadel beim Ritzen der Platte aufwirft. Dieser Grat hält die Farbe nicht nur in der Rille, sondern auch an ihren Rändern, was der Linie ihre charakteristische samtige, leicht verschwommene Qualität verleiht. Doch genau hier liegt auch ihre Achillesferse: Der Grat ist extrem empfindlich. Unter dem enormen Druck der Presse wird er mit jedem Abzug ein wenig flacher gedrückt. Die ersten Drucke sind oft reich an tiefen, malerischen Schwarztönen, doch nach etwa 10 bis 15 Abzügen verliert der Grat merklich an Höhe. Die Linie wird härter, trockener und verliert ihren Reiz.
Während einige Quellen von einer theoretischen Auflage von maximal 30 Abzügen ohne Verstählung sprechen, bezieht sich dies auf die reine Erkennbarkeit der Linie. Für den Künstler, dem es um die expressive Qualität geht, ist das „Linien-Schicksal“ oft schon viel früher besiegelt. Der natürliche Verschleiß ist jedoch nicht nur ein Manko, sondern kann auch ein kreatives Werkzeug sein. Künstler nutzen diesen Prozess gezielt, um eine Serie von Zustandsdrucken zu schaffen, die die Evolution und Vergänglichkeit der Linie dokumentieren.
Die Wahl des Materials spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Eine Platte aus Zink ist weicher, der Grat verschleißt schneller. Kupfer ist härter und bewahrt die Integrität der Linie etwas länger. Für hohe Auflagen gibt es nur eine professionelle Lösung: die Verstählung der Platte, bei der eine hauchdünne, aber extrem harte Stahlschicht galvanisch aufgetragen wird. Dies macht den Grat widerstandsfähig, verändert aber auch subtil den Charakter des Drucks.
Ihre Checkliste: Die Lebensdauer Ihrer Kaltnadelplatte verlängern
- Materialwahl prüfen: Verwenden Sie härteres Kupfer anstelle von weicherem Zink, um die Haltbarkeit des Grats von vornherein zu verbessern.
- Verstählung erwägen: Planen Sie eine hohe Auflage? Lassen Sie die Platte nach den ersten Probedrucken professionell verstählen, um den Grat zu fixieren.
- Verschleiß kreativ nutzen: Betrachten Sie den Qualitätsverlust nicht als Fehler, sondern als Chance. Erstellen und dokumentieren Sie eine Serie von Zustandsdrucken, die den Wandel zeigen.
- Drucke dokumentieren: Nummerieren und kennzeichnen Sie jeden Abzug, um die künstlerische Entwicklung der Platte nachzuvollziehen und die besten Drucke zu identifizieren.
Wie nass muss das Papier sein, damit es die Farbe aus den Rillen saugt?
Ein perfekter Tiefdruck entsteht durch eine fast alchemistische Reaktion: Das angefeuchtete Papier muss unter Druck so flexibel werden, dass es sich in die feinsten Rillen der Platte schmiegt und die Farbe förmlich heraussaugt. Die richtige Papierfeuchtigkeit ist dabei keine Gefühlssache, sondern eine exakte Wissenschaft, die von der Papierstärke (Grammatur) abhängt. Ein zu trockenes Papier ist steif und kann die Farbe nicht aufnehmen; die Linien wirken blass und unterbrochen. Ein zu nasses Papier hingegen führt zu verschwommenen, ausblutenden Linien und kann sogar die Platte zum Rosten bringen.
Die goldene Regel lautet: Das Papier sollte sich kühl und leicht klamm anfühlen, aber keinen sichtbaren Wasserglanz auf der Oberfläche haben. Die Fasern müssen vollständig durchdrungen sein. Um dies zu erreichen, hat sich die „Sandwich-Methode“ bewährt: Die Papiere werden für viele Stunden oder sogar Tage zwischen feuchten Tüchern oder Makulaturpapieren und unter leichten Gewichten (z.B. Glasplatten) gelagert. Dies sorgt für eine langsame, gleichmäßige Durchfeuchtung.

Wie die Illustration zeigt, ist die Vorbereitung des Papiers ein methodischer und geduldiger Prozess. Die Wässerungszeit variiert erheblich je nach Gewicht des Papiers. Ein leichtes 150 g/m² Papier benötigt möglicherweise nur eine Nacht, während ein schweres 300 g/m² Büttenpapier bis zu 48 Stunden brauchen kann, um die optimale Saugfähigkeit zu erreichen. Erfahrene Drucker bereiten ihr Papier oft mehrere Tage im Voraus vor, um am Drucktag perfekte Bedingungen zu haben.
Die folgende Tabelle aus der Praxis gibt verlässliche Richtwerte, die Sie als Ausgangspunkt für Ihre eigenen Experimente nutzen können. Jedes Papier verhält sich leicht anders, daher ist das Führen eines Werkstatttagebuchs unerlässlich.
| Papiergewicht | Wässerungszeit | Vorbehandlung |
|---|---|---|
| 150-200 g/m² | 12 Stunden | Abends mit feuchtem Schwamm einstreichen |
| 250-300 g/m² | 24-48 Stunden | Mehrere Tage vorher anfeuchten |
| Über 300 g/m² | 48-72 Stunden | Zwischen Glasplatten pressen |
Der Fehler bei der Druckeinstellung, der Ihre Kupferplatte verbiegt
Eine Tiefdruckpresse ist ein Instrument von gewaltiger Kraft. Sie muss einen Druck von mehreren Tonnen aufbringen, um das feuchte Papier in die mikroskopisch kleinen Vertiefungen der Platte zu zwingen. Genau in dieser Kraft liegt jedoch auch eine erhebliche Gefahr. Der häufigste und zugleich verheerendste Fehler, den ein Anfänger machen kann, ist eine ungleichmäßige oder zu hohe Druckeinstellung. Dies führt nicht nur zu schlechten Druckergebnissen, sondern kann die teure Kupferplatte dauerhaft verbiegen oder verziehen, was sie unbrauchbar macht.
Die Ursache ist oft eine falsche Kombination aus Druckfilzen und Spindeldruck. Die Filze dienen dazu, den Druck gleichmäßig zu verteilen und das Papier zu schützen. Sind die Filze zu dünn, zu alt oder falsch positioniert, konzentriert sich der Druck punktuell. Ist der Anpressdruck der Walze zu hoch eingestellt, wird die Platte regelrecht „gewalzt“ und verbiegt sich entlang der Längsachse. Ein erfahrener Drucker erkennt den optimalen Druck nicht nur an der Skala, sondern am Widerstand der Kurbel und am Geräusch der Presse. Es ist ein sattes, gleichmäßiges Knirschen, kein lautes Knallen oder Blockieren.
Die Materialermüdung ist ein zentrales Thema im Tiefdruck, wie Fachleute betonen. Der hohe Druck ist notwendig, führt aber unweigerlich zu Verschleiß. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer präzisen und respektvollen Handhabung der Maschinen.
Dadurch, dass ein solcher Druck aufgebaut werden muss, nutzen sich die Druckplatten schnell ab und werden unbrauchbar.
– NetzTraktat, Druckgrafik: Die Tiefdruckverfahren
Beginnen Sie immer mit einer niedrigen Druckeinstellung und steigern Sie diese schrittweise, bis die Linien sauber und satt gedruckt werden. Machen Sie Probedrucke auf kleineren Platten und notieren Sie die erfolgreiche Einstellung. Respektieren Sie die Physik des Druckens; eine Presse verzeiht keine Nachlässigkeit.
Wie viel Farbe lassen Sie auf der Platte, um Atmosphäre zu erzeugen?
Nachdem die Platte eingefärbt wurde, beginnt der vielleicht kreativste und sensibelste Arbeitsschritt: das Wischen. Hier entscheidet sich, ob der Druck eine klare, grafische Anmutung oder eine malerische, atmosphärische Tiefe erhält. Beim Wischen wird die überschüssige Farbe von der Plattenoberfläche entfernt, sodass sie nur in den Vertiefungen zurückbleibt. Die Kunst besteht darin, zu entscheiden, wie viel Farbe als feiner Film – der sogenannte Plattenton – auf der Oberfläche verbleiben soll.
Ein stark ausgewischter Druck, bei dem die Oberfläche fast metallisch rein ist, betont die reine Linienzeichnung. Dies ist typisch für den klassischen Kupferstich. Lässt man jedoch einen zarten Schleier Farbe zurück, verleiht dieser dem Druck eine Stimmung, eine Tiefe und verbindet die einzelnen Linien miteinander. Diese Technik wurde insbesondere von Künstlern wie Rembrandt und später den Expressionisten meisterhaft eingesetzt, um emotionale und dramatische Effekte zu erzielen.
Im 20. Jahrhundert war es neben Edvard Munch, Ernst Ludwig Kirchner und Max Beckmann vor allem Picasso, der mit dieser Technik eindrucksvolle Werke schuf.
– Wikipedia, Kaltnadelradierung – Künstlerische Bedeutung
Die Wahl des Wischmaterials und der Technik hat einen enormen Einfluss auf das Ergebnis:
- Wischen mit Tarlatan: Ein steifer, gestärkter Gazestoff, der in Bauschen gefaltet wird. Er nimmt viel Farbe auf und ermöglicht einen gleichmäßigen, kontrollierten Plattenton. Man arbeitet von grob zu fein.
- Handballen-Wischen: Nachdem der Großteil der Farbe entfernt wurde, wird mit dem Handballen oder der Handkante die Platte poliert. Diese Technik erzeugt sehr feine, zarte Übergänge und kann Lichter in dunklen Partien setzen.
- A-la-poupée-Einfärbung: Hier werden mit kleinen Stoffballen (Poupées) verschiedene Farben auf eine einzige Platte aufgetragen und gewischt, um einen mehrfarbigen Druck in einem einzigen Durchgang zu erzeugen.
- Anpassung der Farbviskosität: Durch die Zugabe von ein paar Tropfen Leinölfirnis wird die Farbe geschmeidiger und lässt sich leichter und subtiler wischen, was weichere Plattentöne begünstigt.
Die Kontrolle über den Plattenton ist eine der höchsten Künste im Tiefdruck. Sie erfordert Übung, Geduld und die Fähigkeit, das Ergebnis des Wischens auf der Platte mental in den fertigen Druck zu übersetzen.
Können Sie einen zu tiefen Strich im Kupfer wieder unsichtbar machen?
Im Gegensatz zur Zeichnung auf Papier, wo ein Radiergummi Fehler verzeiht, scheint ein Schnitt im Metall endgültig. Doch das „Gedächtnis der Platte“ ist formbar. Eine der faszinierendsten Aspekte des traditionellen Kupferstichs ist die Möglichkeit, Fehler zu korrigieren oder Partien komplett zu verändern. Ein zu tief geritzter Strich oder eine zu dunkel gewordene Fläche ist kein Todesurteil für die Platte. Mit den richtigen Werkzeugen und Techniken lässt sich das Metall wieder glätten und die Linie quasi „unsichtbar“ machen.
Die beiden wichtigsten Werkzeuge hierfür sind der Schaber und der Polierstahl. Mit dem dreikantigen Schaber wird die fehlerhafte Stelle vorsichtig abgeschabt, wodurch die Kanten der Rille abgetragen werden. Dieser Prozess hinterlässt eine raue Stelle. Anschließend kommt der Polierstahl (oder ein Polier-Achat) zum Einsatz. Unter Zugabe eines Tropfens Öl wird die bearbeitete Stelle mit hohem Druck so lange poliert, bis die Oberfläche wieder vollkommen glatt und spiegelnd ist. Eine perfekt polierte Stelle nimmt beim Einfärben keine Farbe mehr an und druckt wieder als reines Weiß.

Diese Korrekturmöglichkeit ist nicht nur eine technische Notlösung, sondern wurde von den alten Meistern als integraler Bestandteil des kreativen Prozesses verstanden. Sie erlaubte es ihnen, Kompositionen über Monate oder Jahre hinweg weiterzuentwickeln.
Historisches Beispiel: Rembrandts Zustandsdrucke als Zeugnis der Korrektur
Die Kunst der Korrektur lässt sich nirgends besser studieren als bei den Zustandsdrucken von Rembrandt van Rijn. Er war ein Meister darin, fehlerhafte oder nicht mehr gewünschte Partien mit Schaber und Poliereisen zu glätten und die Komposition neu zu gestalten. Vergleicht man die verschiedenen Zustände seiner Drucke, kann man förmlich zusehen, wie Figuren verschwinden, Lichtverhältnisse sich ändern und der gesamte Bildeindruck transformiert wird. Diese historische Technik beweist, dass das „Plattengedächtnis“ überschrieben werden kann und Korrekturen ein machtvolles expressives Mittel sind.
Tischpresse oder Standpresse: Was reicht für A3-Editionen wirklich aus?
Die Anschaffung einer eigenen Tiefdruckpresse ist eine erhebliche Investition. Viele Künstler, die von der Zeichnung kommen, stehen vor der Frage: Reicht eine kompakte, relativ günstige Tischpresse für den Anfang, oder muss es sofort eine schwere Standpresse sein? Die Antwort hängt von drei Faktoren ab: dem maximalen Format, der gewünschten Druckqualität und der Auflagenhöhe.
Eine Tischpresse ist ideal für Formate bis etwa A3. Sie ist platzsparend und ausreichend für erste Experimente und kleine Editionen. Ihr Nachteil liegt jedoch oft in der geringeren Stabilität und dem schwächeren Druckaufbau. Bei größeren Flächen kann der Druck an den Rändern abfallen, was zu ungleichmäßigen Ergebnissen führt. Für einen Zeichner, dem es auf jede Nuance seiner Linie ankommt, kann dies frustrierend sein.
Eine Standpresse ist das professionelle Standardwerkzeug. Ihr massiver Aufbau und der oft größere Walzendurchmesser garantieren einen absolut homogenen, kraftvollen Druck über die gesamte Fläche, selbst bei Formaten jenseits von A0. Sie ermöglicht tiefere Schwarztöne und eine präzisere Wiedergabe feinster Details. Die Investition ist jedoch beträchtlich und erfordert einen festen Platz in der Werkstatt.
Für Künstler in Deutschland gibt es eine äußerst attraktive dritte Option: die Nutzung professioneller Druckwerkstätten. Organisationen wie der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) betreiben in vielen Städten (z.B. Berlin, München, Köln) offene Werkstätten. Gegen eine geringe Nutzungsgebühr erhält man Zugang zu erstklassigen, perfekt gewarteten Standpressen, die man sich privat niemals leisten könnte. Die Druckwerkstatt im Kunstquartier Bethanien in Berlin beispielsweise bietet professionelle Ausstattung für nahezu alle klassischen Drucktechniken und ist ein zentraler Anlaufpunkt für die Kunstszene. Dies ermöglicht es, ohne hohe Anfangsinvestition auf höchstem Niveau zu arbeiten.
| Pressentyp | Maximales Format | Druckqualität | Investition |
|---|---|---|---|
| Tischpresse | Bis A3 | Gut für kleine Auflagen, potenziell ungleichmäßig | 500-2.000 € |
| Standpresse | Bis A0+ | Homogener Druck, tiefere Schwarztöne | 3.000-15.000+ € |
| BBK-Werkstatt (DE) | Alle Formate | Professionelle Museumsqualität | Geringe Nutzungsgebühr |
Das Wichtigste in Kürze
- Der Charakter einer Linie im Tiefdruck wird durch die physischen Eigenschaften von Werkzeug, Platte und Druckprozess bestimmt.
- Die Kaltnadel bietet eine samtige, aber vergängliche Linie durch den empfindlichen Grat, während der Kupferstich eine dauerhafte, präzise Linie erzeugt.
- Handwerkliches Können bei der Papierbefeuchtung, Druckeinstellung und beim Wischen der Farbe ist entscheidender für die Ausdruckskraft als die reine Technikwahl.
Sieht man dem Druck an, dass er ohne Säure entstanden ist?
Ein geschultes Auge kann definitiv erkennen, ob eine Linie durch mechanische Kraft (Kupferstich, Kaltnadel) oder durch chemische Ätzung entstanden ist. Der Unterschied liegt im Charakter des Strichs. Die Frage ist also nicht, ob man es sieht, sondern woran man es erkennt. Techniken ohne Säure, wie Kupferstich und Kaltnadel, basieren auf der direkten Verdrängung oder dem Schnitt des Metalls.
Die Kaltnadelradierung ist am leichtesten zu identifizieren. Ihre Linien besitzen die bereits erwähnten, charakteristischen Gratschatten. Da der Grat die Farbe unregelmäßig an den Rändern der Rille festhält, entsteht eine weiche, samtig-tonige Verschattung, die keine andere Technik exakt so reproduzieren kann. Die Linie wirkt organisch und malerisch.
Der Kupferstich hingegen zeigt eine Linie von unerbittlicher Klarheit. Der Stichel schneidet einen sauberen, V-förmigen Span aus dem Metall. Es entsteht kein Grat. Die Linie ist scharfkantig, präzise und hat oft ein charakteristisches An- und Abschwellen, das durch die Führung des Stichels entsteht. Sie wirkt kontrolliert, grafisch und kühl. Eine geätzte Linie (Radierung) hingegen hat eine andere Qualität. Die Säure frisst sich in das Metall und erzeugt eine Rille mit leicht rauen, unregelmäßigen Kanten. Unter dem Mikroskop betrachtet, hat die geätzte Linie eine „weichere“ Kante als die geschnittene Linie des Kupferstichs, aber ihr fehlt der samtige Grat der Kaltnadel.
Die wahre Meisterschaft, wie sie laut Wikipedia-Dokumentation zur Radierung schon bei Rembrandt zu finden ist, liegt oft in der Kombination der Techniken. Rembrandt nutzte die Kaltnadel, um weiche, dunkle Akzente in seinen geätzten Platten zu setzen und so eine unerreichte tonale und emotionale Tiefe zu schaffen. Er verstand, dass jede Technik ihre eigene „Stimme“ hat und kombinierte sie zu einem Orchester des Ausdrucks. Seine Arbeit transformierte die Druckgrafik von einem reinen Reproduktionsmittel zu einem eigenständigen künstlerischen Medium.
Wie ätzen Sie Metallplatten ohne gefährliche Säuren und Gesundheitsrisiko?
Die klassische Radierung arbeitet mit aggressiven Säuren wie Salpetersäure, deren Dämpfe hochgiftig und gesundheitsschädlich sind. Für viele Künstler, die in ihrem Heim-Atelier arbeiten, stellt dies ein unkalkulierbares Risiko dar. Glücklicherweise gibt es heute eine Reihe von bewährten, ungiftigen Verfahren, die es ermöglichen, die Ästhetik der Ätzung ohne die damit verbundenen Gefahren zu erreichen. Diese Methoden stehen für eine moderne, verantwortungsbewusste Druckpraxis.
Die bekannteste Alternative ist die Salzätzung, oft als „Edinburgh Etch“ bezeichnet. Statt einer starken Säure wird hier eine Lösung aus Kupfersulfat und Kochsalz verwendet. Kupfersulfat ist ein Blausalz, das in Apotheken oder im Baumarkt (als Algenbekämpfungsmittel) erhältlich ist. Die Lösung wirkt spezifisch auf Zink- oder Aluminiumplatten (nicht auf Kupfer!) und erzeugt eine feine, kontrollierbare Ätzung ohne giftige Dämpfe. Die Entsorgung muss dennoch fachgerecht über den Wertstoffhof erfolgen.
Der Prozess der Salzätzung ist einfach und sicher:
- Lösung anmischen: Lösen Sie Kupfersulfat und Salz in warmem Wasser nach einem bewährten Rezept (z.B. Edinburgh Etch).
- Platte vorbereiten: Decken Sie die Rückseite der Zink- oder Aluminiumplatte mit einer Asphaltschicht oder starkem Klebeband ab und zeichnen Sie mit einer Radiernadel durch den Ätzgrund auf der Vorderseite.
- Ätzen: Legen Sie die Platte in die Salzlösung. Die Ätzung beginnt sofort und lässt sich durch die Dauer im Bad steuern.
- Reinigen und Drucken: Nach dem Ätzen wird die Platte gereinigt, eingefärbt und wie eine herkömmliche Radierung gedruckt.
Eine weitere, völlig ätz- und giftfreie Technik ist die Carborundum-Druckgrafik. Hier wird eine Mischung aus Carborundum-Pulver (Siliziumkarbid) und einem Bindemittel direkt auf die Platte aufgetragen, um raue, farbhaltende Flächen zu schaffen.
Die Carborundum-Druckgrafik ist eine komplett gift- und ätzfreie Technik, um reiche, samtige Schwarztöne zu erzeugen, die denen der Schabkunst ähneln.
– Fachquelle Tiefdrucktechniken, Alternative Druckverfahren ohne Säure
Diese modernen Methoden beweisen, dass Tradition und Verantwortung Hand in Hand gehen können. Sie erlauben es Künstlern, die Ausdrucksmöglichkeiten der Ätztechnik zu erforschen, ohne ihre Gesundheit oder die Umwelt zu gefährden.
Die Beherrschung dieser Techniken ist mehr als das Erlernen eines Handwerks; es ist die Fähigkeit, der eigenen Linie eine physische Form und ein bleibendes Leben zu geben. Um diese Kunst zu perfektionieren, ist eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen und eine fundierte Analyse der eigenen Arbeit unerlässlich.