Veröffentlicht am März 15, 2024

Die Investition in aufstrebende Kunst ist keine Lotterie, die auf persönlichem Geschmack basiert, sondern eine rationale Entscheidung, die auf messbaren Werttreibern beruht.

  • Die Analyse der akademischen Herkunft eines Künstlers liefert verlässlichere Prognosen als Messe-Hypes.
  • Die Bewertung versteckter Materialkosten (Lagerung, Restaurierung) ist entscheidend, um die Nettorendite nicht zu gefährden.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich für einen risikoarmen Einstieg auf limitierte Grafik-Editionen etablierter „Blue-Chip“-Künstler.

Die anhaltende Inflation nagt an der Kaufkraft Ihres Ersparten und die Suche nach alternativen, sachwertbasierten Anlageklassen wird immer dringlicher. Während Aktien und Immobilien etablierte Optionen sind, rückt der Kunstmarkt zunehmend in den Fokus von Privatanlegern, die ihr Portfolio diversifizieren möchten. Doch der Einstieg wirkt oft einschüchternd: ein elitärer Zirkel, undurchsichtige Preisbildung und die ständige Warnung, man solle nur kaufen, was einem auch persönlich gefällt – eine schwache Absicherung für eine ernsthafte Investition.

Die gängigen Ratschläge – besuchen Sie große Kunstmessen, setzen Sie auf bekannte Namen oder folgen Sie Ihrer „Passion“ – sind für einen strategisch denkenden Anleger unzureichend. Sie führen oft in die sogenannte „Hype-Falle“, wo kurzfristige Trends mit langfristigem Wertpotenzial verwechselt werden. Was aber, wenn der analytische Ansatz eines Investors auch auf den Kunstmarkt anwendbar wäre? Wenn es möglich wäre, die subjektive „Geschmacksfrage“ durch eine rationale Analyse von klaren Signalen und harten Fakten zu ersetzen?

Dieser Artikel bricht mit der Vorstellung, Kunst als Investment sei reines Glücksspiel. Er liefert Ihnen einen pragmatischen, datengestützten Analyserahmen, wie er von professionellen Kunstberatern in Frankfurt oder Zürich angewendet wird. Wir werden nicht über Ästhetik debattieren, sondern über Werttreiber, materielle Verbindlichkeiten und Signalintegrität. Sie lernen, das Potenzial eines Künstlers zu bewerten, bevor es der breite Markt tut, und die Risiken zu identifizieren, die sich hinter der Leinwand verbergen.

Um diese strategische Herangehensweise zu meistern, werden wir die entscheidenden Faktoren Schritt für Schritt beleuchten. Die folgende Übersicht führt Sie durch die zentralen Aspekte, von der Entlarvung kurzlebiger Trends bis hin zur Bestimmung des optimalen Verkaufszeitpunkts.

Warum 70% der „Geheimtipps“ auf Kunstmessen ihren Wert innerhalb von 5 Jahren verlieren

Kunstmessen wie die Art Cologne sind für Einsteiger oft der erste Kontaktpunkt mit dem Markt. Sie wirken wie ein Supermarkt der Möglichkeiten, doch genau hier lauert die größte Gefahr: die Hype-Falle. Ein Werk, das von einer einflussreichen Galerie prominent platziert und von vermeintlichen Kennern umschwärmt wird, suggeriert enormes Wertpotenzial. In Wahrheit handelt es sich oft um kurzfristig erzeugtes „Marktrauschen“, das wenig über die langfristige Relevanz eines Künstlers aussagt. Dieses Phänomen ist so verbreitet, dass es die Fluktuation am Markt stark antreibt.

Die Schnelllebigkeit dieser Trends ist messbar. Eine hohe Umschlaggeschwindigkeit ist oft ein Warnsignal, kein Qualitätsmerkmal. Was heute als „heißer Tipp“ gilt, kann morgen bereits wieder vergessen sein, was dazu führt, dass laut einer Analyse rund 75% aller Kunstwerke von Sammlern innerhalb von fünf Jahren wieder abgestoßen werden, oft mit Verlust. Der massive Hype um NFT-Kunst, der ebenso schnell wieder abflaute, wie Messedirektor Daniel Hug von der Art Cologne bestätigt, ist ein perfektes Beispiel für einen solchen Zyklus. Ein rationaler Investor muss lernen, diese spekulativen Blasen von echten, fundamentalen Werttreibern zu unterscheiden.

Der strategische Fehler liegt darin, Popularität mit institutioneller Anerkennung zu verwechseln. Der „Buzz“ auf einer Messe ist ein schwaches Signal. Ein starkes Signal hingegen ist die Aufnahme in eine Museumssammlung, eine lobende Erwähnung in einer etablierten Kunstzeitschrift oder eine Einzelausstellung in einer angesehenen Institution. Diese Faktoren bauen den Wert langsam, aber nachhaltig auf, während der Messe-Hype schnell verpufft und den unvorsichtigen Käufer mit einem überteuerten, illiquiden Vermögenswert zurücklässt.

Wie erkennen Sie das Potenzial eines Akademie-Absolventen vor dem Galeristen?

Anstatt dem teuren Hype zu folgen, liegt die wahre Chance für einen Investor darin, Potenzial dort zu erkennen, wo es entsteht: an den Kunstakademien. Die akademische Provenienz eines Künstlers ist einer der verlässlichsten Frühindikatoren für eine ernsthafte und potenziell wertsteigernde Karriere. Ein Abschluss von einer renommierten Institution ist mehr als nur ein Zertifikat; er ist ein Beleg für rigorose Ausbildung, intellektuelle Auseinandersetzung und den Zugang zu einem einflussreichen Netzwerk aus Professoren und Mentoren.

Nahaufnahme von Künstlerportfolios und Lebensläufen auf einem Galerietisch

Die Reputation der Ausbildungsstätte spielt eine entscheidende Rolle. Bestimmte Akademien in Deutschland haben sich über Jahrzehnte als Kaderschmieden für international erfolgreiche Künstler etabliert. Ein Blick auf die Geschichte zeigt klare Muster, welche „Schulen“ eine überdurchschnittliche Dichte an marktrelevanten Talenten hervorbringen. Für einen Investor ist die Kenntnis dieser Hierarchie ein entscheidender Wissensvorsprung.

Die folgende Übersicht zeigt einige der prägendsten deutschen Kunstakademien und ihre historische Bedeutung für den Markt. Wie aus dieser vergleichenden Analyse der Kunstlandschaft hervorgeht, ist die Zugehörigkeit zu einer bestimmten „Schule“ ein starkes Signal:

Deutsche Kunstakademien und ihr Marktwert
Kunstakademie Bekannte Absolventen Marktrelevanz Spezialisierung
Düsseldorfer Akademie Gerhard Richter, Andreas Gursky Sehr hoch Photoschule, Malerei
Städelschule Frankfurt Wolfgang Tillmans Hoch Zeitgenössische Kunst
Leipziger Schule Neo Rauch Hoch Neue Leipziger Schule
UdK Berlin Katharina Fritsch Mittel-Hoch Interdisziplinär

Innerhalb dieses Systems ist der Status des „Meisterschülers“ ein besonders starker Werttreiber. Diese Auszeichnung wird nur an die vielversprechendsten Absolventen eines Jahrgangs verliehen und signalisiert ein außergewöhnliches Maß an künstlerischer Reife und Anerkennung durch etablierte Professoren. Wie der Direktor der Art Cologne, Daniel Hug, es treffend formuliert, sind dies die entscheidenden frühen Signale.

Der ‚Meisterschüler‘-Titel und die Zugehörigkeit zu bestimmten ‚Schulen‘ dienen als frühe Indikatoren für eine ernsthafte Karriere.

– Daniel Hug, Art Cologne Direktor im Interview

Leinwand oder Skulptur: Welches Medium bietet langfristig die höhere Rendite?

Die Wahl des künstlerischen Mediums hat direkte Auswirkungen auf das Renditepotenzial, die Liquidität und die Folgekosten Ihrer Investition. Während klassische Malerei oft als Königsklasse wahrgenommen wird, zeigen Marktdaten, dass andere Medien teils deutlich höhere Wertsteigerungen erfahren können. Eine rationale Entscheidung geht über die persönliche Vorliebe für ein bestimmtes Material hinaus und bewertet die spezifischen Marktmechanismen jedes Segments.

Überraschenderweise hat sich beispielsweise die Fotografie in den letzten Jahren als extrem renditestark erwiesen. Während der breite Aktienmarkt moderat wuchs, explodierten die Preise für bestimmte fotografische Werke förmlich. Eine aktuelle Marktanalyse zeigt einen Wertzuwachs von 335% bei amerikanischer Fotografie binnen 10 Jahren, verglichen mit nur 33% Zuwachs beim S&P 500 im selben Zeitraum. Dies verdeutlicht, dass Nischen, die von Kleinanlegern oft übersehen werden, das größte Potenzial bergen können.

Jedes Medium besitzt ein eigenes Risiko-Rendite-Profil. Malerei kann zwar immense Wertsteigerungen erzielen, erfordert aber hohe Einstiegsinvestitionen. Skulpturen sind oft noch teurer und zudem illiquide und kostspielig in Lagerung und Transport. Grafiken und Editionen hingegen bieten einen niedrigen Einstiegspreis und hohe Liquidität, was sie für Anleger mit kleinerem Budget besonders attraktiv macht. Die folgende Matrix fasst die wichtigsten Eigenschaften zusammen, basierend auf umfassenden Daten zum Kunstmarkt.

Risikomatrix für verschiedene Kunstmedien
Medium Einstiegspreis Renditepotenzial Liquidität Folgekosten
Malerei Hoch Sehr hoch Mittel Niedrig
Skulptur Sehr hoch Hoch Niedrig Sehr hoch
Fotografie Niedrig-Mittel Hoch Hoch Niedrig
Edition/Grafik Niedrig Mittel Sehr hoch Niedrig

Für einen strategischen Investor bedeutet dies, das Portfolio nicht nur über Künstler, sondern auch über verschiedene Medien zu diversifizieren. Anstatt alles auf eine teure Leinwand zu setzen, kann eine Kombination aus einer Fotografie eines aufstrebenden Künstlers und einer Grafik-Edition eines etablierten Namens das Risiko streuen und die Renditechancen optimieren.

Die Material-Falle: Welche Kunstwerke Sie wegen hoher Folgekosten meiden sollten

Ein häufig unterschätztes Risiko bei Kunstinvestments sind die materiellen Verbindlichkeiten – die versteckten Folgekosten für Lagerung, Versicherung und vor allem Konservierung. Der Kaufpreis ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein Werk, das aus instabilen oder vergänglichen Materialien geschaffen wurde, kann sich schnell von einem Vermögenswert in eine finanzielle Belastung verwandeln. Die Wahl des Materials ist daher keine rein ästhetische, sondern eine knallharte finanzielle Entscheidung.

Kunstrestaurator arbeitet an empfindlichem Mixed-Media-Kunstwerk

Besonders problematisch sind Werke, die auf veralteter Technologie basieren oder organische Substanzen enthalten. Die Instandhaltung einer Videoinstallation aus den 1980er Jahren kann unmöglich werden, wenn die spezifischen Monitore oder Abspielgeräte nicht mehr existieren. Die berühmte „Fettecke“ von Joseph Beuys ist ein klassisches Beispiel für ein Werk, dessen Erhaltung immense konservatorische Anstrengungen erfordert. Diese Kosten schmälern die Nettorendite erheblich und müssen von Anfang an einkalkuliert werden.

Als Investor sollten Sie eine klare Risikoprüfung der Materialität vornehmen. Bestimmte Werktypen sind aufgrund ihrer hohen oder unkalkulierbaren Folgekosten für ein privates Portfolio ungeeignet. Laut Expertenanalysen zu Kunst als Investment sollten Sie bei folgenden Materialien besonders vorsichtig sein:

  • Videokunst auf veralteten Medien: Kassetten oder Röhrenmonitore sind eine tickende Zeitbombe. Die Instandhaltung ist oft unmöglich oder extrem teuer.
  • Neon-Installationen: Sie verursachen nicht nur hohe Stromkosten, sondern erfordern auch teure Spezialreparaturen durch wenige Experten.
  • Organische Materialien: Werke mit Fett, Lebensmitteln oder anderen verderblichen Stoffen benötigen eine professionelle und kostspielige Konservierung.
  • Großformatige Skulpturen: Die Kosten für Transport, Installation und Lagerung können den Wert des Werkes schnell übersteigen.
  • Mixed-Media mit Elektronik: Die technische Obsoleszenz von elektronischen Komponenten macht diese Werke langfristig zu einem unkalkulierbaren Risiko.

Die sicherste Wahl sind daher Werke aus klassischen, stabilen Materialien wie Öl auf Leinwand, Bronze oder hochwertige Drucke auf archivfestem Papier. Diese verursachen minimale Folgekosten und ihre Langzeitstabilität ist über Jahrhunderte erprobt. Alles andere erfordert ein Budget und eine Infrastruktur, die typischerweise nur Museen oder sehr große Sammlungen besitzen.

Wann ist der ideale Zeitpunkt, um ein Werk aus einer Privatsammlung abzustoßen?

Der Erfolg einer Kunstinvestition entscheidet sich nicht nur beim Kauf, sondern auch beim Verkauf. Den optimalen Zeitpunkt für den Ausstieg zu bestimmen, ist eine strategische Kunst für sich. Es geht darum, Wertentwicklungen zu antizipieren und auf die richtigen Signale zu reagieren, anstatt emotional an einem Werk festzuhalten. Glücklicherweise bietet der deutsche Gesetzgeber dabei einen entscheidenden Vorteil.

Für Privatanleger in Deutschland ist die sogenannte Spekulationsfrist von zentraler Bedeutung. Im Gegensatz zu vielen anderen Anlageklassen sind die Gewinne aus dem Verkauf von Kunst steuerfrei, sofern zwischen Kauf und Verkauf mindestens ein Jahr liegt. Diese Regelung, wie sie von Finanzexperten für den Kunstmarkt in Frankfurt bestätigt wird, macht Kunstinvestments steuerlich äußerst attraktiv und sollte jede Verkaufsstrategie maßgeblich beeinflussen. Nach Ablauf dieses Jahres können Sie rein nach marktstrategischen Gesichtspunkten handeln.

Der ideale Verkaufszeitpunkt wird oft durch externe Karriere-Meilensteine des Künstlers signalisiert. Solche „Trigger-Ereignisse“ können sein:

  • Eine große Museums-Retrospektive: Eine umfassende Werkschau in einer renommierten Institution wie dem MoMA oder der Tate Modern katapultiert einen Künstler in eine neue Liga und steigert die Nachfrage massiv.
  • Die Verleihung eines bedeutenden Preises: Auszeichnungen wie der Turner Prize oder der Goslarer Kaiserring schaffen enorme mediale Aufmerksamkeit und validieren die Bedeutung des Künstlers. So führte die Verleihung des Kaiserrings an Katharina Fritsch zu einem sprunghaften Anstieg des Interesses und der Preise für ihre Werke.
  • Ein neuer Auktionsrekord: Wenn ein Werk des Künstlers bei einer großen Auktion einen Rekordpreis erzielt, hebt dies das Preisniveau seines gesamten Œuvres an.
  • Aufnahme durch eine Top-Galerie: Der Wechsel zu einer global agierenden „Mega-Galerie“ wie Gagosian oder Hauser & Wirth ist ein klares Signal für eine bevorstehende Wertsteigerung.

Der kluge Investor beobachtet die Karriere „seiner“ Künstler genau und nutzt den durch solche Ereignisse entstehenden Nachfragehöhepunkt, um sein Investment mit maximalem Gewinn zu realisieren. Zu lange zu warten, kann riskant sein, da der Markt zyklisch ist und auch die Aufmerksamkeit für einen Künstler wieder abnehmen kann.

Warum Grafik-Editionen von „Blue-Chip“-Künstlern oft der sicherste Einstieg sind

Für den Kleinanleger, der den hohen Kapitaleinsatz für Unikate scheut, stellen limitierte Editionen – also Druckgrafiken, Fotografien oder kleine Objekte in einer festgelegten Auflage – den idealen Einstiegspunkt dar. Insbesondere Editionen von sogenannten „Blue-Chip“-Künstlern, also international etablierten und markterprobten Namen wie Gerhard Richter, Georg Baselitz oder Rosemarie Trockel, bieten eine einzigartige Kombination aus Wertstabilität und Zugänglichkeit.

Der entscheidende Vorteil liegt im Preis. Während ein Gemälde eines solchen Künstlers oft sechs- oder siebenstellige Beträge kostet, sind hochwertige, signierte Editionen bereits für wenige tausend oder sogar hundert Euro zu haben. Marktanalysen zeigen, dass Anleger in Editionen und Grafiken ab 250 Euro investieren können, was den Kunstmarkt für ein breiteres Publikum demokratisiert. Sie partizipieren an der Wertentwicklung eines großen Namens, ohne das hohe Risiko eines Einzelwerks tragen zu müssen.

Die Wertstabilität dieser Werke ist hoch, da die Nachfrage nach „Blue-Chip“-Namen konstant ist. Der Markt für Unikate stützt und befeuert den Markt für Editionen. Wenn ein neues Gemälde von Gerhard Richter einen Auktionsrekord erzielt, steigt in der Regel auch die Nachfrage und der Preis für seine Grafiken. Dieses Phänomen macht Editionen zu einem relativ sicheren Hafen im oft volatilen Kunstmarkt. Plattformen wie arttrade, die Anteile an Werken von Künstlern wie Richter als digitale Wertpapiere anbieten, zeigen, wie zentral dieser Sektor für zugängliche Kunstinvestments geworden ist.

Zudem ist die Liquidität bei Editionen deutlich höher. Da es mehrere identische Exemplare gibt, existiert ein aktiverer Zweitmarkt. Ein Verkauf über spezialisierte Auktionshäuser oder Online-Plattformen ist oft schneller und einfacher zu realisieren als der eines Unikats. Für den strategischen Investor, der Flexibilität schätzt, ist dies ein unschätzbarer Vorteil. Der Schlüssel liegt jedoch in der strengen Limitierung der Auflage – nur so wird die für eine Wertsteigerung notwendige Knappheit gewährleistet.

Wann gilt eine Nachauflage als Betrug am Erstkäufer?

Bei der Investition in Editionen ist die Signalintegrität der Auflage entscheidend. Die zugesicherte Limitierung ist ein Vertrag zwischen dem Künstler und dem Käufer. Jede Verletzung dieser Knappheit untergräbt den Wert der gesamten Edition und kann im Extremfall als Betrug am Erstkäufer gewertet werden. Als Investor müssen Sie lernen, die roten Flaggen zu erkennen, die auf eine unseriöse oder wertmindernde Auflagenpolitik hindeuten.

Die offensichtlichste Täuschung ist die Herausgabe von nicht deklarierten Nachauflagen. Wenn ein Künstler oder Verleger eine Edition als „limitiert auf 50 Stück“ verkauft und später heimlich weitere Exemplare druckt, ist dies ein klarer Betrug. Schwieriger zu erkennen sind subtilere Methoden, wie die Publikation von „Varianten“ – dasselbe Motiv in einer anderen Farbe oder auf einem anderen Papier –, die de facto die Gesamtauflage erhöhen. Seriöse Künstler dokumentieren alle Varianten von Anfang an klar im Werkverzeichnis (Catalogue Raisonné).

Ein fehlendes oder unvollständiges Werkverzeichnis ist daher eine der größten roten Flaggen. Dieses wissenschaftlich geführte Verzeichnis ist das „Grundbuch“ für das Werk eines Künstlers und listet jede authentische Arbeit lückenlos auf. Ohne dieses Instrument ist die Überprüfung der Auflagenhöhe und Echtheit kaum möglich. Ein Händler, der keine klare Provenienz nachweisen kann oder ausweichend auf Fragen zum Werkverzeichnis reagiert, ist mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Ihr Prüfplan zur Erkennung unseriöser Editionen

  1. Werkverzeichnis prüfen: Existiert ein aktuelles Catalogue Raisonné? Ist die Edition dort mit der korrekten Auflagenhöhe verzeichnet?
  2. Gesamtauflage hinterfragen: Klären Sie die exakte Gesamtauflage, einschließlich aller Künstlerexemplare (EA, AP) und nicht für den Handel bestimmter Abzüge (HC).
  3. Nummerierung und Signatur kontrollieren: Ist das Werk fortlaufend nummeriert (z.B. 1/50) und handsigniert? Eine fehlende oder gedruckte Signatur ist ein Warnsignal.
  4. Nach Varianten suchen: Recherchieren Sie, ob vom selben Motiv nachträglich weitere, nicht deklarierte Varianten auf den Markt gekommen sind.
  5. Provenienz einfordern: Verlangen Sie vom Händler eine lückenlose Dokumentation der Herkunft des Werkes und ein Echtheitszertifikat.

Letztlich schützt nur eine sorgfältige Due Diligence vor wertlosen Papieren. Vertrauen Sie auf verifizierbare Fakten, nicht auf die Zusicherungen eines Verkäufers. Ein seriöser Künstler und Galerist wird Ihnen alle notwendigen Informationen transparent zur Verfügung stellen, denn die Werterhaltung seiner Editionen liegt auch in seinem ureigenen Interesse.

Das Wichtigste in Kürze

  • Analyse schlägt Emotion: Erfolgreiche Kunstinvestition basiert auf der rationalen Bewertung von Signalen wie akademischer Provenienz, nicht auf subjektivem Geschmack oder Messe-Hypes.
  • Folgekosten einkalkulieren: Die „materiellen Verbindlichkeiten“ eines Kunstwerks (Konservierung, Lagerung) sind entscheidend für die Nettorendite. Instabile Materialien sind eine finanzielle Falle.
  • Editionen als strategischer Einstieg: Limitierte Grafiken von „Blue-Chip“-Künstlern bieten die beste Kombination aus Wertstabilität, Liquidität und erschwinglichem Einstiegspreis für Kleinanleger.

Wie bestimmen Sie die optimale Auflagenhöhe für Ihre erste Edition?

Die Höhe der Auflage ist ein feiner Balanceakt zwischen Exklusivität und Marktdurchdringung. Eine zu kleine Auflage kann zwar kurzfristig den Preis treiben, schränkt aber die Liquidität und die Sichtbarkeit des Künstlers ein. Eine zu hohe Auflage verwässert die wahrgenommene Knappheit und drückt den Preis. Für den Investor ist das Verständnis dieser Dynamik entscheidend, um das Wertpotenzial einer Edition richtig einzuschätzen.

Marktstudien haben gezeigt, dass es einen „Sweet Spot“ für die Auflagenhöhe gibt, der eine optimale Marktliquidität gewährleistet. Wie aktuelle Analysen zur Preisstabilität bei Editionen belegen, bieten Auflagen im Bereich von 50 bis 100 Exemplaren oft die beste Balance. Diese Größe ist klein genug, um ein Gefühl der Exklusivität und Knappheit zu vermitteln, aber groß genug, um in mehreren Sammlungen und auf dem Zweitmarkt präsent zu sein. Dies schafft eine breitere Basis für die Preisbildung und reduziert die Volatilität.

Die Reputation des Künstlers spielt hierbei ebenfalls eine Rolle. Bei einem sehr jungen, noch unbekannten Künstler kann eine kleinere Auflage (z.B. 20-30) sinnvoll sein, um Nachfrage zu bündeln. Bei einem bereits etablierten „Blue-Chip“-Künstler hingegen kann eine etwas höhere Auflage die breitere Sammlerbasis bedienen, ohne den Wert zu schmälern. Der Investment-Experte Thomas González fasst die Logik dahinter gut zusammen:

Eine mittlere Auflage von 50-100 bei einem bekannteren Künstler schafft eine breitere Marktdurchdringung und somit mehr Liquidität und stabilere Preise.

– Thomas González, Kunstinvestment-Guide

Als Anleger sollten Sie Auflagen, die deutlich über 150-200 Exemplare hinausgehen, kritisch sehen, es sei denn, es handelt sich um einen absoluten Superstar wie Andy Warhol. Und hüten Sie sich vor „offenen“, also unlimitierten Editionen. Diese haben reinen Dekorationswert und sind als Investment ungeeignet, da ihnen das entscheidende Merkmal der Knappheit vollständig fehlt.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Anlagestrategie zu schärfen. Bewerten Sie Ihre nächsten potenziellen Kunst-Investments nicht nach Bauchgefühl, sondern auf Basis dieses analytischen Rahmens, indem Sie gezielt den Markt für Editionen etablierter Künstler mit einer klaren Auflagenpolitik sondieren.

Häufige Fragen zum Investment in Kunst-Editionen

Was ist der Unterschied zwischen EA und HC?

EA (Épreuve d’artiste) sind Künstlerexemplare außerhalb der regulären Auflage. HC (Hors Commerce) sind nicht für den Handel bestimmte Exemplare. Beide haben oft einen leichten Preisaufschlag, da sie als näher am Künstler stehend wahrgenommen werden.

Sind offene Editionen eine Wertanlage?

Nein, unlimitierte „offene“ Editionen stellen fast nie eine Wertanlage dar, da ihnen das entscheidende Kriterium der Knappheit fehlt. Sie haben in der Regel reinen Dekorationswert.

Wie überprüfe ich die Echtheit einer Edition?

Der verlässlichste Weg ist die Konsultation des Werkverzeichnisses (Catalogue Raisonné) des Künstlers. Prüfen Sie zudem sorgfältig die handschriftliche Signatur und die fortlaufende Nummerierung. Fordern Sie vom Verkäufer immer ein Echtheitszertifikat und eine lückenlose Provenienzdokumentation.

Geschrieben von Friedrich von Hagedorn, Zertifizierter Kunstberater (Art Advisor) und Marktanalyst für zeitgenössische Kunst und Grafik-Editionen. 25 Jahre Erfahrung im Handel mit Blue-Chip-Kunst und Nachlassverwaltung.