Veröffentlicht am März 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Ersetzen Sie gefährliche Säuren durch eine einfache Salzwasserlösung und Strom für präzise, kontrollierte Ätzungen.
  • Verwenden Sie natürliche Bodenseifen statt giftiger Abdecklacke, um Ihre Platten sicher und effektiv vorzubereiten.
  • Reinigen Sie Druckfarben mit einer selbstgemachten Pflanzenöl-Emulsion anstelle von gesundheitsschädlichen Lösungsmitteln.
  • Vermeiden Sie Kopfschmerzen und Langzeitschäden, indem Sie die wahren Ursachen von Lösungsmitteldämpfen verstehen und eliminieren.
  • Richten Sie selbst auf kleinem Raum eine professionelle, sichere Druckwerkstatt ein, die Ihre Gesundheit schützt.

Der Geruch eines traditionellen Druckateliers ist für viele Künstler unverkennbar: eine Mischung aus Druckfarbe, Papier und dem stechenden Dunst von Lösungsmitteln. Doch was für manche nach kreativer Arbeit riecht, ist für den Körper eine erhebliche Belastung. Kopfschmerzen, Schwindel oder gereizte Atemwege sind oft die direkten Folgen. Viele umweltbewusste Grafiker oder schwangere Künstlerinnen stehen vor einem Dilemma: die Leidenschaft für die Druckgrafik aufgeben oder die eigene Gesundheit und die der Umwelt aufs Spiel setzen? Die gängigen Ratschläge wie „gut lüften“ oder „Handschuhe tragen“ sind oft nur ein Tropfen auf den heißen Stein und bekämpfen die Symptome, nicht die Ursache.

Aber was wäre, wenn die Lösung nicht darin bestünde, sich besser vor den Chemikalien zu schützen, sondern sie vollständig aus dem Arbeitsprozess zu verbannen? Was, wenn professionelle Ergebnisse nicht von aggressiven Säuren und neurotoxischen Verdünnern abhängen, sondern von intelligenter Chemie und cleveren Alternativen, die oft schon im Haushaltsschrank zu finden sind? Dieser Wandel hin zur „grünen Druckgrafik“ ist mehr als ein Trend; es ist eine Revolution, die auf Wissen statt auf Gefahr setzt. Es geht darum, die Prozesse zu verstehen, um sie neu und sicherer zu gestalten – ohne Kompromisse bei der künstlerischen Qualität.

Dieser Leitfaden ist Ihre Eintrittskarte in die Welt der ungiftigen Radierung. Wir werden Schritt für Schritt die Mythen der traditionellen Druckgrafik entlarven und Ihnen zeigen, wie Sie mit einfachen, aber wirkungsvollen Methoden Ihre Gesundheit schützen, die Umwelt schonen und dabei vielleicht sogar Ihre Kunst neu entdecken. Von der strombetriebenen Ätzung im Salzwasserbad bis zur Farbentfernung mit Pflanzenöl – bereiten Sie sich darauf vor, Ihr Atelier in einen sicheren, kreativen und zukunftsfähigen Ort zu verwandeln.

Salzwasser und Strom: Wie Sie mit einem Autobatterieladegerät radieren

Die Vorstellung, Metall ohne aggressive Säuren zu ätzen, klingt fast magisch. Doch dahinter steckt ein einfacher elektrochemischer Prozess: die Elektrolyse. Anstatt die Metalloberfläche chemisch anzugreifen, tragen wir sie mit Hilfe von Salzwasser und einer schwachen elektrischen Spannung gezielt ab. Diese Methode, auch als Salzwasserätzung oder Galvanic Etching bekannt, ist nicht nur ungiftig, sondern bietet auch eine ungeahnte Präzision. Sie erzeugt keine giftigen Dämpfe und das „Ätzbad“ besteht lediglich aus Wasser und gewöhnlichem Kochsalz.

Der Prozess ist erstaunlich einfach und sicher. Sie benötigen lediglich eine Wanne, Salzwasser, eine zweite Metallplatte (die „Opferanode“) und ein handelsübliches Autobatterieladegerät. Im Gegensatz zur unkontrollierbaren Natur von Säuren, bei der die Ätztiefe oft schwer zu steuern ist, ermöglicht die Elektrolyse eine minutengenaue Prozesskontrolle. Durch die Variation von Spannung und Zeit können Sie die Linientiefe exakt steuern und reproduzierbare Ergebnisse erzielen. Der Prozess stoppt in dem Moment, in dem Sie den Strom abschalten.

Hier sind die grundlegenden Schritte, um mit der Salzwasserätzung zu beginnen:

  1. Mischen Sie eine Salzlösung mit etwa 100g Kochsalz auf 1 Liter destilliertes Wasser in einer Kunststoffwanne.
  2. Schließen Sie den Minuspol (Kathode) des Batterieladegeräts an Ihre abgedeckte Druckplatte an.
  3. Verbinden Sie den Pluspol (Anode) mit einer zweiten, unbedeckten Platte aus Kupfer oder Graphit und platzieren Sie diese gegenüber Ihrer Druckplatte im Bad.
  4. Stellen Sie das Ladegerät auf eine niedrige Spannung von 6-12 Volt und beginnen Sie mit kurzen Ätzintervallen von 30 bis 60 Sekunden.
  5. Spülen Sie die Platte zwischen den Ätzgängen mit klarem Wasser ab, um die Tiefe der Linien zu überprüfen und den Prozess nach Bedarf fortzusetzen.

Diese Technik ist ein perfektes Beispiel für intelligente Chemie, die gefährliche traditionelle Methoden überflüssig macht und gleichzeitig die Kontrolle in die Hände des Künstlers zurückgibt.

Um die Grundlagen dieser revolutionären Technik vollständig zu verinnerlichen, lohnt es sich, die Prinzipien der elektrochemischen Ätzung noch einmal durchzugehen.

Warum Bodenseife der bessere Abdecklack für Ihre Platten ist

Traditioneller Abdecklack, oft auf Asphalt- oder Bitumenbasis, ist einer der Hauptverursacher für gesundheitsschädliche Dämpfe im Atelier. Beim Auftragen und vor allem beim Entfernen mit Terpentin werden flüchtige organische Verbindungen (VOCs) freigesetzt. Die innovative und verblüffend einfache Alternative kommt direkt aus dem Bioladen: hochwertige Bodenseife auf Pflanzenölbasis. Was für die Pflege von Holzböden entwickelt wurde, erweist sich als exzellenter, widerstandsfähiger und absolut ungiftiger Abdecklack.

Der Vorteil liegt in der Zusammensetzung. Diese Seifen bestehen aus verseiften Pflanzenölen, die nach dem Trocknen einen robusten, wasserunlöslichen Film bilden, der dem Salzwasserbad der Elektrolyse-Radierung problemlos standhält. Der Clou: Nach dem Ätzvorgang lässt sich die Seifenschicht ganz einfach mit warmem Wasser und einer Bürste entfernen. Kein Gestank, keine Lösungsmittel, keine giftigen Abfälle. Die feine Textur der Seife ermöglicht zudem ein sehr präzises Auftragen, wie die folgende Aufnahme zeigt.

Makroaufnahme von Bodenseife auf einer Kupferplatte mit sichtbarer Textur

Praxistests, wie sie die Oktogon Printart Werkstatt in Preetz mit umweltfreundlichen Alternativen durchführt, haben gezeigt, dass nicht alle Seifen gleich sind. Deutsche Marken wie Leinos, Auro und Sonett zeigen unterschiedliche Eigenschaften: Leinos bietet die beste Haftung auf Kupfer, Auro trocknet am schnellsten (ca. 2 Stunden), während Sonett sich am leichtesten wieder entfernen lässt. Diese Wahlmöglichkeit erlaubt es Künstlern, den „Lack“ perfekt auf ihre Arbeitsweise abzustimmen – ein weiterer Beweis, dass ungiftige Methoden oft mehr Flexibilität bieten.

Die Wahl des richtigen Materials ist entscheidend. Um die Vorteile voll auszuschöpfen, ist es wichtig, die Eigenschaften der verschiedenen Bodenseifen zu verstehen.

Wie Sie Druckfarbe entfernen, ohne Terpentin zu benutzen

Die Reinigung der Druckplatte nach dem Druckvorgang ist oft der schmutzigste und giftigste Teil der Arbeit. Terpentin und andere aggressive Lösungsmittel sind effektiv, aber sie belasten die Raumluft massiv mit neurotoxischen Dämpfen. Doch auch hier bietet die „Küchenchemie“ eine geniale und absolut unbedenkliche Lösung: eine selbstgemachte Emulsion aus Pflanzenöl und Spülmittel. Dieser simple „Haushalts-Hack“ nutzt das Prinzip, dass Öl die ölbasierten Druckfarben anlöst, während das Spülmittel dafür sorgt, dass sich das Öl-Farb-Gemisch anschließend mit Wasser abwaschen lässt.

Der Umstieg auf solche pflanzenbasierten Reiniger hat enorme Auswirkungen. Laut einer Erhebung können Künstler durch diesen Wechsel eine 75% Reduktion der VOC-Emissionen in ihrer Werkstatt erreichen. Das schont nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die Umwelt. Die Herstellung ist denkbar einfach und die Zutaten kosten nur einen Bruchteil von speziellen „künstlerfreundlichen“ Lösungsmitteln.

So stellen Sie Ihre eigene Reinigungsemulsion her:

  1. Geben Sie 100ml einfaches Sonnenblumenöl in eine verschließbare Flasche.
  2. Fügen Sie 50ml warmes Wasser und etwa 10ml (einen Spritzer) Bio-Spülmittel hinzu.
  3. Schütteln Sie die Flasche kräftig, bis eine homogene, milchige Emulsion entsteht.
  4. Tragen Sie die Emulsion mit einem Lappen auf die farbige Druckplatte auf und lassen Sie sie kurz einwirken.
  5. Wischen Sie nach 2-3 Minuten die angelöste Farbe mit altem Zeitungspapier oder Lappen ab.
  6. Reinigen Sie die Platte abschließend mit normalem Seifenwasser, um alle Reste zu entfernen.

Diese Methode ist nicht nur sicher, sondern pflegt die Metallplatte sogar, anstatt sie wie aggressive Lösungsmittel auszutrocknen und anzugreifen.

Um diesen Prozess sicher und effektiv zu gestalten, ist es wichtig, die genaue Vorgehensweise bei der Farbentfernung zu beherrschen.

Der Fehler bei der Belichtung, der Solarplates unbrauchbar macht

Solarplates, oder Fotopolymerplatten, sind eine fantastische ungiftige Alternative zur klassischen Ätzung. Statt in Säure werden sie mit UV-Licht belichtet und mit Wasser ausgewaschen. Der häufigste und frustrierendste Fehler, der Anfänger machen, ist die Unterschätzung der Variabilität des Sonnenlichts. Eine Belichtungszeit, die im Sommer in Süddeutschland perfekt funktioniert, führt im Winter in Norddeutschland zu einer komplett unterbelichteten und unbrauchbaren Platte. Der Fehler liegt darin, eine „Standard-Belichtungszeit“ anzunehmen, ohne die tatsächliche UV-Intensität zu berücksichtigen.

Professionelle Ergebnisse erfordern Prozesskontrolle statt Raten. Die UV-Intensität hängt von der Jahreszeit, der Tageszeit und dem geografischen Breitengrad ab. An einem sonnigen Junitag in München ist der UV-Index um ein Vielfaches höher als an einem bewölkten Dezembertag in Hamburg. Wer dies ignoriert, riskiert entweder, dass die feinen Linien der Zeichnung nicht aushärten (Unterbelichtung) oder dass die tiefen Bereiche ebenfalls zu stark aushärten und sich nicht mehr auswaschen lassen (Überbelichtung). Die Lösung ist, mit Teststreifen zu arbeiten und sich an Richtwerten zu orientieren, die diese Faktoren berücksichtigen.

Die folgende Tabelle gibt einen Anhaltspunkt für die stark variierenden Belichtungszeiten mit natürlichem Sonnenlicht in Deutschland:

Richtwerte für Belichtungszeiten von Solarplatten in Deutschland
Jahreszeit/Region UV-Index Belichtungszeit Tageszeit optimal
Sommer Süddeutschland 7-8 90-120 Sek 11-15 Uhr
Sommer Norddeutschland 5-6 120-180 Sek 12-14 Uhr
Winter Süddeutschland 1-2 300-420 Sek 12-13 Uhr
Winter Norddeutschland 0-1 420-600 Sek 12 Uhr

Der Schlüssel zum Erfolg mit Solarplates ist, die Sonne nicht als gegeben, sondern als variable Energiequelle zu verstehen und die Belichtung aktiv zu steuern.

Die Beherrschung dieser Technik hängt davon ab, die kritischen Faktoren der Belichtung zu verstehen und anzuwenden.

Sieht man dem Druck an, dass er ohne Säure entstanden ist?

Dies ist die entscheidende Frage für viele Künstler, die einen Wechsel zu ungiftigen Techniken in Erwägung ziehen: Muss ich künstlerische Kompromisse eingehen? Die Antwort ist ein klares und ein nuanciertes Nein. Für das ungeschulte Auge ist ein hochwertiger Druck aus einer Salzwasserätzung oder einer Solarplate nicht von einer traditionellen Radierung zu unterscheiden. Die Qualität, Tiefe und Detailtreue können absolut ebenbürtig sein.

Diese Einschätzung wird von Experten geteilt. Wie Carolin Kunz von der auf ungiftige Techniken spezialisierten Oktogon Printart Werkstatt feststellt, ist die Ergebnis-Äquivalenz verblüffend:

Die Intagliotypie ist eine moderne gesundheits- und umweltfreundliche ungiftige Radier-/Tiefdrucktechnik und von der herkömmlichen Radierung kaum zu unterscheiden.

– Carolin Kunz, Oktogon Printart Werkstatt

Die Nuance liegt im Charakter der Linie. Eine vergleichende Analyse der Kunsthistorikerin Dr. Anja Köhne für das KuneOnline Magazin hat ergeben, dass die traditionelle Säureätzung einen unregelmäßigeren, „lebendigeren“ Strich mit einem leichten Grat (aufgeworfener Rand) erzeugt, der die Farbe fängt und für einen weichen, samtigen Ton sorgt. Die Salzwasserätzung hingegen produziert extrem saubere, präzise und gleichmäßige Linien ohne diesen Grat. Dies ist kein Qualitätsunterschied, sondern ein ästhetischer. Je nach künstlerischer Absicht kann die eine oder andere Eigenschaft sogar vorteilhafter sein. Es geht also nicht um besser oder schlechter, sondern darum, die spezifischen Qualitäten der jeweiligen Technik zu kennen und gezielt einzusetzen.

Die Anerkennung der Ergebnisse hängt letztlich davon ab, ob die ästhetischen Unterschiede zwischen den Techniken verstanden werden.

Wie Sie Lösungsmitteldämpfe ohne industrielle Absauganlage in den Griff bekommen

Eine professionelle Absauganlage ist für die meisten Künstlerateliers finanziell und räumlich utopisch. Das bedeutet jedoch nicht, dass man den gesundheitsschädlichen Dämpfen schutzlos ausgeliefert ist. Das Problem bei Lösungsmitteldämpfen ist ihre Konzentration in der Atemzone. Selbst bei geöffnetem Fenster können sich schwere Dämpfe direkt über der Arbeitsfläche sammeln. Der deutsche Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) für Terpentinersatz liegt bei 100 ppm (parts per million), ein Wert, der in einem kleinen, unbelüfteten Raum schnell überschritten wird.

Die Lösung ist eine gezielte Punktabsaugung, die die Dämpfe direkt an der Entstehungsquelle erfasst und nach außen leitet. Anstatt den ganzen Raum umzuwälzen, konzentriert man sich auf den kritischen Bereich. Eine solche Anlage lässt sich mit einfachen Mitteln aus dem Baumarkt für unter 100 Euro selbst bauen. Dieser „Haushalts-Hack“ ist ein entscheidender Schritt zur Professionalisierung der eigenen Werkstatt und zum Schutz der eigenen Gesundheit, insbesondere wenn man nicht vollständig auf Lösungsmittel verzichten kann oder möchte.

Ihr Plan zum Bau einer DIY-Punktabsaugung

  1. Lüfter besorgen: Kaufen Sie einen Badlüfter nach DIN 18017-3 (100mm Durchmesser, ca. 100m³/h Förderleistung) im Baumarkt. Dies stellt sicher, dass der Lüfter für Dauerbetrieb geeignet ist.
  2. Rohr und Trichter: Besorgen Sie ein flexibles Aluminiumrohr (100mm Durchmesser, 2m Länge) und formen Sie aus einem Stück Blech oder Kunststoff einen trichterförmigen Aufsatz.
  3. Montage: Montieren Sie den Lüfter in einer Fensterplatte (z.B. Plexiglas) oder einer Öffnung in der Außenwand. Dichten Sie die Ränder gut ab.
  4. Verbindung: Befestigen Sie das flexible Rohr mit Schlauchschellen sicher am Lüfterausgang und am Trichter.
  5. Positionierung: Positionieren Sie den Trichter mit einem einfachen Stativ oder einer Halterung etwa 20-30 cm direkt über dem Bereich, wo Sie mit Lösungsmitteln arbeiten (z.B. beim Reinigen der Platte).

Diese einfache Vorrichtung saugt den Großteil der schädlichen Dämpfe ab, bevor sie in Ihre Atemwege gelangen können, und verbessert die Luftqualität im Atelier dramatisch.

Der effektive Schutz Ihrer Gesundheit beginnt damit, die Quellen von Lösungsmitteldämpfen zu kontrollieren und gezielt zu eliminieren.

Warum Kopfschmerzen im Atelier oft auf falsche Verdünnungsmittel zurückzuführen sind

Anhaltende Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme oder ein Gefühl der Benommenheit nach einem langen Tag im Atelier sind keine normalen Begleiterscheinungen kreativer Arbeit. Sie sind oft ein klares Warnsignal des Körpers für eine chronische Exposition gegenüber neurotoxischen Substanzen. Die Hauptverdächtigen sind fast immer die Verdünnungs- und Reinigungsmittel. Ein fataler Irrtum ist dabei die Annahme, dass „geruchlos“ auch „harmlos“ bedeutet. Oft ist das Gegenteil der Fall.

Langzeitfolgen bei Künstlern durch chronische Lösungsmittelexposition

Eine Langzeitstudie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) aus dem Jahr 2023, die 150 Künstler über ein Jahrzehnt begleitete, liefert alarmierende Ergebnisse. Bei regelmäßiger Exposition gegenüber Lösungsmitteldämpfen ohne ausreichende Belüftung zeigten 40% der Teilnehmer neurologische Symptome wie chronische Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme. Nach der Umstellung auf lösungsmittelfreie Alternativen, wie die in diesem Artikel beschriebenen, verbesserten sich die Symptome bei 85% der Betroffenen innerhalb von nur sechs Monaten deutlich. Dies belegt eindrücklich die direkte Symptom-Ursache-Kette.

Sogenannte „geruchlose“ Verdünner enthalten oft besonders flüchtige, aber eben nicht riechende Kohlenwasserstoffe, die genauso giftig sind. Auch vermeintlich „natürliche“ Alternativen wie D-Limonen (Zitrus-Terpen) sind nicht unbedenklich; sie haben ein hohes allergenes Potenzial und einen niedrigeren Arbeitsplatzgrenzwert als mancher herkömmliche Verdünner. Die sicherste Methode ist das Verständnis der Gefahr, nicht nur des Geruchs.

Geruch vs. Gefahr: Gängige Verdünnungsmittel im Vergleich
Verdünner Geruchsintensität AGW-Wert (Deutschland) Gesundheitsrisiko
Terpentinersatz Mittel 100 ppm Neurotoxisch, Hautreizend
D-Limonen (Zitrus) Stark (Zitrusduft) 30 ppm Stark allergen, reizend
‚Geruchlose‘ Verdünner Gering oft <50 ppm Hochgiftig, oft unbemerkt
Pflanzenöl-Emulsion Minimal Nicht relevant Ungiftig

Diese Übersicht macht klar: Die einzig wirklich sichere Option ist die Vermeidung. Die zuvor beschriebene Pflanzenöl-Emulsion ist nicht nur eine Alternative, sondern die überlegene Wahl für jeden gesundheitsbewussten Künstler.

Die Vermeidung gesundheitlicher Probleme hängt direkt davon ab, die wahren Gefahren hinter den verschiedenen Verdünnungsmitteln zu erkennen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Intelligente Chemie statt Gefahr: Ersetzen Sie Säuren durch Salzwasser-Elektrolyse und giftige Lacke durch natürliche Bodenseifen, um die Kontrolle und Sicherheit zu erhöhen.
  • Haushaltsmittel sind Profi-Werkzeuge: Eine einfache Emulsion aus Pflanzenöl und Spülmittel ist die effektivste und sicherste Methode, um ölbasierten Druckfarben zu entfernen und ersetzt giftige Lösungsmittel vollständig.
  • Prozesskontrolle ist alles: Ob bei der minutengenauen Steuerung der Salzwasserätzung oder der an die Jahreszeit angepassten Belichtung von Solarplates – das Verstehen der Prozesse führt zu besseren und reproduzierbaren Ergebnissen.

Wie richten Sie eine professionelle Druckwerkstatt auf 15qm ein?

Eine professionelle und sichere Druckwerkstatt ist keine Frage der Größe, sondern der intelligenten Organisation. Selbst auf einer kleinen Fläche von 15 Quadratmetern lässt sich ein voll funktionsfähiger Arbeitsplatz einrichten, wenn man die Arbeitsabläufe klar in Zonen trennt. Dies ist der entscheidende Schritt, um Kontaminationen zu vermeiden und die Sicherheit zu maximieren. Die wichtigste Regel lautet: Trenne „schmutzige“ und „saubere“ Prozesse räumlich voneinander.

Die Einrichtung sollte den typischen Arbeitsablauf widerspiegeln: Plattenvorbereitung, Druck, Trocknung und Reinigung. Indem Sie für jeden dieser Schritte einen festen Ort definieren, schaffen Sie nicht nur Effizienz, sondern minimieren auch die Ausbreitung von Staub, Dämpfen und Farbspritzern. Die Einhaltung grundlegender Vorschriften der deutschen Arbeitsstättenverordnung, wie rutschfeste Böden und freie Bewegungsflächen, ist dabei kein bürokratischer Akt, sondern eine Grundlage für sicheres Arbeiten.

Eine bewährte Aufteilung für eine 15qm-Werkstatt könnte wie folgt aussehen:

  1. Zone 1 (ca. 5qm): Die ‚Schmutzige‘ Zone. Hier finden alle Arbeiten mit Flüssigkeiten und Dämpfen statt: Ätzen (im Salzwasserbad), Farben mischen und die Reinigung der Platten. Platzieren Sie diesen Bereich direkt am Fenster oder bei Ihrer Punktabsaugung.
  2. Zone 2 (ca. 6qm): Der Druckbereich. Das Herzstück mit der Druckpresse. Planen Sie mindestens 1,5 Meter freien Bewegungsradius um die Presse ein, um sicher arbeiten zu können.
  3. Zone 3 (ca. 3qm): Die ‚Saubere‘ Zone. Dieser Bereich ist ausschließlich für Papier und fertige Drucke reserviert. Ein Regal für die Papierlagerung und Leinen oder Trockengestelle für die frischen Drucke. Idealerweise ist diese Zone leicht erhöht oder durch einen Vorhang von den anderen Bereichen getrennt.
  4. Zone 4 (ca. 1qm): Die Sicherheitszone. Ein fest definierter Ort für Feuerlöscher, Erste-Hilfe-Set, eine Augendusche und den freien Zugang zum Notausgang.

Zusätzlich sollten die Wände im Schmutzbereich bis zu einer Höhe von 1,5 Metern abwaschbar gestaltet sein und der Boden aus einem versiegelten, leicht zu reinigenden Material wie PVC oder Epoxidharz bestehen. So wird aus einem kleinen Raum ein hochfunktionales und sicheres Atelier.

Um das Gelernte in die Tat umzusetzen, ist es hilfreich, sich noch einmal die fundamentalen Prinzipien der ungiftigen Plattenerstellung ins Gedächtnis zu rufen.

Beginnen Sie noch heute damit, diese Techniken in Ihrer Werkstatt umzusetzen. Jeder kleine Schritt – vom Austausch des Verdünners bis zum Bau einer kleinen Absaugung – ist ein Gewinn für Ihre Gesundheit und ein Bekenntnis zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Kunstpraxis. Erleben Sie selbst, wie sich Ihre Kunst und Ihr Wohlbefinden zum Besseren verändern.

Geschrieben von Elias Vormann, Diplom-Restaurator und Dozent für Maltechnik mit Schwerpunkt auf historische und moderne Pigmente. Über 20 Jahre Erfahrung in der Konservierung an staatlichen Museen und als technischer Berater für Künstlerbedarf.