
Die Leuchtkraft in Vermeers Werken ist kein Zufall, sondern das Resultat einer tiefen Kenntnis der Lichtphysik und Materialchemie, die sich vollständig ohne moderne Pigmente nachbilden lässt.
- Die Wahl des Bindemittels (z. B. Standöl) beeinflusst direkt den Lichtbrechungsindex und damit die Tiefenwirkung der Lasur.
- Optische Farbmischung durch präzise Schichtung transparenter Farben erzeugt brillantere Töne als jede physikalische Mischung auf der Palette.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich weniger auf die Pigmente selbst als auf deren Interaktion mit dem Licht, die durch den korrekten Schichtaufbau und die Wahl des Malmittels gesteuert wird.
Die faszinierende Leuchtkraft, die von den Gemälden Johannes Vermeers ausgeht, scheint oft ein unerreichbares Ideal zu sein, ein Geheimnis, das mit dem Meister begraben wurde. Viele fortgeschrittene Maler und Restauratoren versuchen, diesen Effekt durch die Jagd nach dem perfekten Pigment oder durch endlose Schichten von Lasuren zu imitieren. Man liest von der Wichtigkeit der Camera Obscura oder der simplen Regel „fett über mager“, doch diese Ratschläge kratzen nur an der Oberfläche und führen oft zu Frustration, wenn die erwartete Brillanz ausbleibt.
Doch was wäre, wenn der Schlüssel nicht in einem mystischen Geheimnis, sondern in den präzisen, reproduzierbaren Gesetzen der Physik und Chemie liegt? Die wahre Meisterschaft Vermeers lag nicht nur in seiner Komposition, sondern in seiner instinktiven oder erlernten Kontrolle darüber, wie Licht durch verschiedene Materialschichten wandert, gebrochen und reflektiert wird. Es geht um den gezielten Einsatz des Lichtbrechungsindex von Ölen, die chemische Stabilität von Grundierungen und die bewusste Erzeugung von Farben im Auge des Betrachters – die optische Farbmischung.
Dieser Artikel bricht mit den oberflächlichen Erklärungen. Wir werden tief in die materiellen und technischen Aspekte eintauchen, die Vermeers Leuchtkraft begründen. Von der korrekten Trocknung der Unterschichten über die strategische Wahl des Malmittels bis hin zur wissenschaftlichen Analyse alter Schichtaufbauten werden wir die Mechanismen entschlüsseln, die es Ihnen ermöglichen, eine ähnliche Tiefenwirkung und Brillanz in Ihren eigenen Werken zu erzielen – ganz im Sinne der Alten Meister und basierend auf den Materialien, die ihnen zur Verfügung standen.
Inhalt: Die Leuchtkraft Vermeers technisch meistern
- Warum Ihre Lasur blind wird, wenn die Unterschicht noch nicht durchgetrocknet ist
- Standöl oder Dammar: Welches Medium vergilbt am wenigsten über 50 Jahre?
- Wie Sie Grün erzeugen, ohne grüne Farbe zu benutzen (nur durch Schichtung)
- Zu viel Öl im Verhältnis zum Pigment: Wie Sie Runzelbildung vermeiden
- Wie man durch Röntgenanalyse den Schichtaufbau zerstörter Gemälde versteht
- Wie Sie Leinwände grundieren, damit die Farbe auch nach 20 Jahren nicht abblättert
- Wie Sie die Trocknungszeit von Ölfarben im Winter ohne Qualitätsverlust halbieren
- Öl oder Acryl: Welche Technik passt zu Ihrem Atelier, wenn Sie keine Belüftung haben?
Warum Ihre Lasur blind wird, wenn die Unterschicht noch nicht durchgetrocknet ist
Eine der häufigsten Fehlerquellen bei der Lasurtechnik ist das Auftreten eines „blinden“ oder trüben Schleiers, der die Leuchtkraft zerstört. Dieses Phänomen ist kein Zufall, sondern eine direkte chemische Reaktion. Wenn eine neue Lasurschicht auf eine noch nicht vollständig durchgetrocknete untere Farbschicht aufgetragen wird, beginnen die noch flüchtigen Lösungsmittel oder nicht oxidierten Öle der unteren Schicht, in die frische Lasur zu diffundieren. Dieser Prozess stört die homogene Struktur und den einheitlichen Lichtbrechungsindex der Lasurschicht, was zu einer ungleichmäßigen Lichtstreuung führt – die Schicht wirkt trüb statt transparent.
Die vollständige Durchtrocknung einer Ölschicht ist ein Oxidationsprozess, der je nach Pigment, Malmittel und Schichtdicke Wochen oder gar Monate dauern kann. „Berührungstrocken“ bedeutet nicht, dass die chemische Reaktion abgeschlossen ist. Ein zu früher Auftrag der nächsten Schicht schließt die untere Schicht von der für die Oxidation notwendigen Sauerstoffzufuhr ab, was den Prozess weiter verlangsamt und das Problem verschärft. Gerade für die Tiefenwirkung à la Vermeer, die auf der perfekten Transparenz vieler übereinanderliegender Schichten beruht, ist die Geduld zwischen den einzelnen Arbeitsschritten entscheidend.
Um sicherzustellen, dass jede Schicht bereit für die nächste ist, müssen präzise Kontrollen und Techniken angewendet werden. Es geht darum, eine stabile, chemisch inerte Basis für jede neue Lasur zu schaffen, um die optische Klarheit zu gewährleisten.
Checkliste zur Vermeidung trüber Lasuren
- Schichten planen: Arbeiten Sie bewusst in mehreren, sehr dünnen Schichten, anstatt einer dicken, um die Trocknungszeit pro Schicht zu minimieren und die Kontrolle zu behalten.
- Trocknungszeiten maximieren: Warten Sie zwischen den Schichten so lange wie möglich. Notieren Sie das Datum des Farbauftrags, um den Überblick zu behalten, und lassen Sie jede Schicht lieber eine Woche länger als zu kurz trocknen.
- Materialkonsistenz wahren: Nutzen Sie für aufeinanderfolgende Lasurschichten Malmittel mit ähnlichen Trocknungseigenschaften, um Spannungen im Schichtaufbau zu vermeiden.
- Saugfähigkeit testen: Führen Sie auf einer Testfläche einen „Fingernagel-Test“ durch. Wenn Sie die Farbschicht mit dem Fingernagel leicht eindrücken oder verschieben können, ist sie für eine neue Lasur noch nicht bereit.
- Für Belüftung sorgen: Sorgen Sie für eine gute Luftzirkulation im Raum, da die Oxidation von Ölfarben Sauerstoff benötigt. Dies beschleunigt den Prozess auf natürliche Weise.
Standöl oder Dammar: Welches Medium vergilbt am wenigsten über 50 Jahre?
Die Wahl des Malmittels ist eine der folgenreichsten Entscheidungen für die Langzeitstabilität und die optische Brillanz eines Ölgemäldes. Insbesondere bei der Lasurtechnik, wo das Bindemittel einen Großteil der Schicht ausmacht, sind seine Eigenschaften entscheidend. Zwei historisch relevante, aber grundverschiedene Optionen sind Standöl und Dammarharz. Ihre Alterungseigenschaften, insbesondere die Neigung zur Vergilbung, unterscheiden sich fundamental.
Standöl, ein durch Erhitzen unter Luftabschluss vorpolymerisiertes Leinöl, ist die überlegene Wahl für dauerhafte Lasuren. Durch die Polymerisation sind die instabilen Doppelbindungen der Fettsäuren bereits teilweise gesättigt. Dies führt zu einer deutlich geringeren Oxidation im Laufe der Zeit, was die Hauptursache für die Vergilbung von Leinöl ist. Zudem bildet Standöl einen flexibleren, weniger spröden Film. Dammarharz hingegen ist ein Naturharz, das in Terpentin gelöst wird. Es trocknet zwar schneller, doch sein Film wird mit der Zeit spröde und neigt stark zur Vergilbung und zu Krakeleebildung, da das Harz weiter oxidiert und sich zersetzt. Seine Verwendung als Hauptlasurmittel wurde erst im 19. Jahrhundert populär und ist für die Nachahmung von Techniken des 17. Jahrhunderts wie bei Vermeer unauthentisch.

Der folgende Vergleich, basierend auf historischen Kenntnissen und materialwissenschaftlichen Analysen, zeigt deutlich die Unterschiede in den Schlüsseleigenschaften. Für einen Maler, der auf Langlebigkeit und die authentische Leuchtkraft der Alten Meister abzielt, ist die Wahl klar.
| Medium | Vergilbungsgrad | Trocknungszeit | Historische Authentizität |
|---|---|---|---|
| Standöl | Sehr gering | Langsam (5-7 Tage) | Hoch (16.-17. Jh.) |
| Sonnengebleichtes Öl | Gering | Mittel (3-5 Tage) | Sehr hoch |
| Dammarharz | Mittel | Schnell (1-2 Tage) | Niedrig (erst 19. Jh.) |
| Normales Leinöl | Hoch | Mittel (3-4 Tage) | Hoch |
Wie Sie Grün erzeugen, ohne grüne Farbe zu benutzen (nur durch Schichtung)
Die leuchtenden, tiefen Grüntöne in den Werken der Alten Meister wurden selten mit einem einzigen grünen Pigment erzielt. Stattdessen nutzten sie meisterhaft das Prinzip der optischen Farbmischung. Anstatt Pigmente auf der Palette physisch zu mischen, was oft zu stumpferen, „schmutzigeren“ Farben führt, legten sie dünne, transparente Schichten verschiedener Farben übereinander. Das Licht dringt durch diese Schichten, wird von der hellen Grundierung reflektiert und auf seinem Weg zurück zum Auge des Betrachters durch die einzelnen Farbschichten gefiltert. Die Farbe „Grün“ entsteht so erst im Gehirn des Betrachters – mit einer unerreichten Brillanz und Tiefe.
Diese Methode war zentral für die Alten Meister. Wie in einer Analyse historischer Maltechniken dargelegt wird, ermöglichte die Lasurtechnik Künstlern wie Vermeer eine unübertroffene Darstellung von Details und leuchtenden Farben. Indem sie viele dünne Lasurschichten übereinanderlegten, erzeugten sie eine intensive Tiefenwirkung, die in ihren Werken besonders deutlich wird. Ein klassisches Beispiel ist die Erzeugung von Grün durch die Schichtung von Gelb und Blau.
Anwendung in der Praxis: Die 3-Schichten-Technik für optisches Grün
Die Rekonstruktion eines leuchtenden Grüns, wie es in den Gewändern oder der Vegetation bei Alten Meistern zu finden ist, folgt einem klaren, dreistufigen Prozess, der auf der Lasurtechnik basiert. Zuerst wird eine vollständig deckende oder halbtransparente Grundschicht in einem leuchtenden Gelb (z.B. historisch korrektes Blei-Zinn-Gelb) aufgetragen und muss vollständig durchtrocknen. Anschließend wird eine sehr dünne, transparente Lasur aus einem kräftigen Blau (z.B. Ultramarin oder das historische Lapislazuli) darübergelegt. Durch die Transparenz der blauen Schicht scheint das Gelb hindurch, und das Auge mischt die beiden Informationen zu einem strahlenden Grün. Eine finale, ultradünne Lasur mit einem der beiden Töne oder einem leichten Ocker kann dann verwendet werden, um das Grün zu modulieren, ihm wärmere oder kühlere Nuancen zu geben und die Tiefe weiter zu steigern.
Diese Technik erfordert Geduld und ein Verständnis für die Transparenz der verwendeten Pigmente, belohnt aber mit einer Farbqualität, die durch physisches Mischen kaum zu erreichen ist. Es ist die Kunst, das Licht selbst zum Werkzeug der Farbmischung zu machen.
Zu viel Öl im Verhältnis zum Pigment: Wie Sie Runzelbildung vermeiden
Die gefürchtete Runzelbildung (auch „Schrumpeln“ oder „Kräuseln“ genannt) in Ölgemälden ist ein klassisches Symptom eines Verstoßes gegen die „fett über mager“-Regel, dessen Ursache jedoch tiefer liegt. Es handelt sich um ein Problem der Pigment-Volumen-Konzentration (PVK) und unterschiedlicher Trocknungsgeschwindigkeiten. Eine „fette“ Schicht hat einen hohen Anteil an langsam trocknendem Öl im Verhältnis zum Pigment, während eine „magere“ Schicht einen geringen Ölanteil hat und oft mit schnell verdunstendem Lösungsmittel wie Terpentin verdünnt wird.
Trägt man eine fette Schicht auf eine noch nicht vollständig durchgetrocknete magere oder halbfette Schicht auf, geschieht Folgendes: Die Oberfläche der fetten Schicht kommt mit dem Luftsauerstoff in Kontakt und beginnt zu oxidieren. Sie bildet eine feste, geschlossene „Haut“. Darunter ist die untere Schicht jedoch noch weich und „in Bewegung“, da sie selbst noch trocknet und Gase abgibt. Diese Bewegung unter der bereits geschlossenen Haut der oberen Schicht führt zu Spannungen, die die obere Haut zusammenschieben und die charakteristischen Runzeln verursachen. Das Problem wird durch zu dicken Farbauftrag noch verstärkt.

Die korrekte Vorgehensweise ist daher, den Schichtaufbau so zu gestalten, dass jede nachfolgende Schicht relativ gesehen „fetter“ (also ölreicher und elastischer) ist als die darunterliegende. Dies stellt sicher, dass die unteren Schichten schneller trocknen als die oberen und der gesamte Farbfilm spannungsfrei aushärten kann. Für die erste Farbschicht empfehlen traditionelle Maltechniken oft, die Ölfarben nur mit Balsam-Terpentinöl zu vermischen, um eine möglichst magere und schnell trocknende Basis zu schaffen.
Wie man durch Röntgenanalyse den Schichtaufbau zerstörter Gemälde versteht
Für Restauratoren und Kunsthistoriker ist die Röntgenanalyse ein unverzichtbares Werkzeug, um in die verborgene Geschichte eines Gemäldes zu blicken. Techniken wie die Röntgenfluoreszenzanalyse (RFA) ermöglichen es, den ursprünglichen Schichtaufbau zu verstehen, Übermalungen zu identifizieren und die von Künstlern wie Vermeer verwendeten Materialien zu bestimmen, ohne das Kunstwerk zu beschädigen. Dies ist besonders wertvoll bei Werken, die im Laufe der Jahrhunderte verändert oder beschädigt wurden.
Die Methode basiert darauf, dass verschiedene chemische Elemente unterschiedlich auf Röntgenstrahlen reagieren. Insbesondere schwere Elemente, die in vielen historischen Pigmenten vorkommen, absorbieren Röntgenstrahlen stark und erscheinen auf dem Röntgenbild hell. Dazu gehören vor allem Blei (in Bleiweiß oder Blei-Zinn-Gelb), Quecksilber (in Zinnober) und Kupfer (in Grünspan oder Azurit). Leichtere, organische Pigmente bleiben hingegen weitgehend unsichtbar. So können die Forscher eine „Landkarte“ der verwendeten anorganischen Pigmente erstellen und den ursprünglichen Aufbau der Untermalung rekonstruieren.
Ein faszinierendes Beispiel ist die Untersuchung von Vermeers „Die Malkunst“ im Kunsthistorischen Museum Wien. Die technologischen Analysen lieferten spektakuläre neue Erkenntnisse, wie die Entdeckung einer möglichen Jahreszahl und die exakte Bestimmung des Fluchtpunkts der Komposition, der als winziger Punkt auf der Leinwand physisch markiert wurde. Solche Analysen enthüllen auch sogenannte Pentimenti – „Reuespuren“ des Künstlers, also Korrekturen und verworfene Ideen, die unter den finalen Farbschichten verborgen liegen und einen einzigartigen Einblick in den kreativen Prozess gewähren.
Wie Sie Leinwände grundieren, damit die Farbe auch nach 20 Jahren nicht abblättert
Die Langlebigkeit eines Ölgemäldes beginnt mit der ersten Schicht: der Grundierung. Eine falsche Grundierung ist eine der Hauptursachen für spätere Schäden wie Abblättern oder Rissbildung. Der entscheidende Unterschied liegt zwischen moderner mechanischer Haftung und traditioneller chemischer Vernetzung. Eine moderne Acrylgrundierung (Gesso) bietet der Ölfarbe lediglich eine raue Oberfläche, an der sie sich mechanisch „festkrallen“ kann. Diese Verbindung ist anfällig für Delamination durch unterschiedliche Ausdehnungskoeffizienten von Acryl und Öl bei Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen.
Die Alten Meister hingegen nutzten eine traditionelle Doppelgrundierung, die eine wesentlich stabilere, chemische Verbindung mit der Ölfarbe eingeht. Die erste Schicht bestand typischerweise aus Hautleim und Kreide oder Gips. Nach dem Trocknen wurde eine zweite, dünne Schicht einer Ölgrundierung aufgetragen, oft leicht mit Ocker oder Grau getönt. Diese Ölgrundierung geht eine chemische Vernetzung mit der ersten Schicht der eigentlichen Ölmalerei ein. Die Ölmoleküle beider Schichten verbinden sich zu einer einzigen, homogenen Einheit, was eine extrem dauerhafte Haftung gewährleistet.
Gemäß den Prinzipien der Alten Meister war diese Vorbereitung essenziell. Die Grundierung wurde nicht nur als Basis, sondern als integraler Bestandteil des malerischen Aufbaus betrachtet. Die leicht getönte Ölgrundierung beeinflusste zudem die Gesamtfarbigkeit des Werkes und trug zur Harmonie der Töne bei.
| Grundierungstyp | Haftung | Langzeitstabilität | Eignung für Lasur |
|---|---|---|---|
| Traditionelle Doppelgrundierung | Chemische Vernetzung | Sehr hoch (Jahrhunderte) | Ideal |
| Moderne Acrylgrundierung | Mechanische Haftung | Mittel (20-50 Jahre) | Bedingt geeignet |
| Reine Leimgrundierung | Gut bei dünnen Schichten | Niedrig (anfällig für Feuchtigkeit) | Gut saugfähig |
Wie Sie die Trocknungszeit von Ölfarben im Winter ohne Qualitätsverlust halbieren
Die Trocknung von Ölfarben ist ein chemischer Prozess der Oxidation, bei dem das Öl mit Luftsauerstoff reagiert und zu einem festen Film polymerisiert. Dieser Prozess wird stark von den Umgebungsbedingungen beeinflusst, insbesondere von Temperatur und Licht. Im Winter, bei niedrigeren Temperaturen und weniger Tageslicht, verlangsamt sich diese Reaktion erheblich, was zu frustrierend langen Wartezeiten zwischen den Schichten führt. Die Herausforderung besteht darin, diesen Prozess zu beschleunigen, ohne die strukturelle Integrität des Farbfilms zu gefährden.
Die effektivste und sicherste Methode ist die Kontrolle der Umgebungstemperatur. Eine konstante Raumtemperatur zwischen 20°C und 25°C ist ideal, um die Oxidationsrate signifikant zu erhöhen. Eine zu hohe oder ungleichmäßige Hitze (z. B. durch einen Heizstrahler oder direkte Sonneneinstrahlung) muss unbedingt vermieden werden, da dies zu Spannungen im Farbfilm führen und die Oberfläche schneller trocknen lassen kann als die unteren Schichten, was zu Rissbildung oder Runzeln führt. Eine gute, sanfte Luftzirkulation ist ebenfalls hilfreich, da sie verbrauchte, lösungsmittelgesättigte Luft abtransportiert und frischen Sauerstoff zuführt.
Für fortgeschrittene Maler kann der Bau einer „Trockenbox“ eine lohnende Investition sein. Eine einfache, isolierte Kiste, ausgestattet mit einer schwachen Wärmequelle (z.B. eine Glühbirne mit niedriger Wattzahl, die sicher abgeschirmt ist) und kleinen Lüftungsöffnungen, kann eine konstante, leicht erhöhte Temperatur und einen sanften Luftstrom gewährleisten. Dies kann die Trocknungszeit, die laut Untersuchungen zur Lasurtechnik zwischen 4 und 8 Stunden oder sogar Tage betragen kann, sicher halbieren, ohne die Qualität der Farbschicht zu beeinträchtigen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Leuchtkraft ist eine Frage der Lichtphysik (Brechungsindex), nicht nur der Pigmentwahl.
- Authentische Langzeitstabilität erfordert eine chemische Vernetzung (Ölgrund) statt nur mechanischer Haftung (Acryl-Gesso).
- Optische Farbmischung durch transparente Lasuren erzeugt brillantere Farben als jede Palettenmischung.
Öl oder Acryl: Welche Technik passt zu Ihrem Atelier, wenn Sie keine Belüftung haben?
Die Frage nach der Sicherheit im Atelier ist für jeden Künstler von zentraler Bedeutung. Traditionelle Ölmalerei ist untrennbar mit der Verwendung von gesundheitsschädlichen Lösungsmitteln wie Terpentin oder Testbenzin verbunden, die eine sehr gute Belüftung zwingend erforderlich machen. Für Ateliers ohne adäquate Lüftung scheint Acrylfarbe oft die einzige sichere Alternative zu sein. Doch für Maler, die die einzigartige Haptik, die lange Offenzeit und vor allem die authentische Leuchtkraft der Ölmalerei im Stile Vermeers anstreben, stellt dies einen schmerzhaften Kompromiss dar.
Wie von Experten für moderne Maltechniken betont wird, haben Acrylfarben klare Vorteile in Bezug auf die Gesundheit: „Acrylfarben trocknen schnell und sind nach der Trocknung nicht mehr lösbar. Sie erlauben ein schnelles Arbeiten und neue Farbschichten können problemlos aufgetragen werden, ohne die darunterliegenden Farben zu lösen“, so eine Anmerkung auf dem Leha Technik Blog. Doch ihre schnelle Trocknungszeit und ihr leicht veränderter Farbton nach dem Trocknen machen die subtile Lasurtechnik der Alten Meister schwierig. Der „Vermeer-Effekt“ lässt sich mit Acryl nur annähern, aber nicht authentisch replizieren.
Die gute Nachricht ist jedoch, dass die Wahl nicht mehr zwischen gefährlicher Ölmalerei und Acryl-Kompromiss besteht. Die moderne Materialchemie bietet lösungsmittelfreie Ölmaltechniken. Durch die Verwendung von Malmitteln auf Basis von Standöl, sonnengebleichtem Leinöl oder speziellen, geruchsarmen Medien kann vollständig auf flüchtige Lösungsmittel verzichtet werden. Auch wassermischbare Ölfarben sind eine exzellente, sichere Alternative, die sich mit Wasser verdünnen und reinigen lässt, aber die wesentlichen Eigenschaften von traditionellen Ölfarben beibehält. Der folgende Vergleich zeigt die Optionen für ein unbelüftetes Atelier auf.
| Kriterium | Lösungsmittelfreie Ölmalerei | Acrylmalerei |
|---|---|---|
| Trocknungszeit | 3-7 Tage pro Schicht | 30 Min – 2 Stunden |
| Farbbrillanz | Sehr hoch | Hoch (matter nach Trocknung) |
| Eignung für Lasurtechniken | Exzellent | Gut mit speziellem Medium |
| Gesundheitsaspekte ohne Belüftung | Sicher ohne Lösungsmittel | Sehr sicher |
| Vermeer-Effekt möglich | Ja, authentisch | Annähernd möglich |
Die Nachahmung der meisterhaften Leuchtkraft Vermeers ist somit weniger eine Frage geheimer Rezepte als vielmehr eine des fundierten, wissenschaftlich basierten Verständnisses von Materialien und Prozessen. Beginnen Sie damit, diese Prinzipien in Ihre eigene Praxis zu integrieren, um Ihren Werken eine neue Dimension von Tiefe und Brillanz zu verleihen.
Häufige Fragen zur Analyse historischer Maltechniken
Was macht eine Röntgenfluoreszenzanalyse sichtbar?
Die Röntgenfluoreszenzanalyse macht die Verteilung von chemischen Elementen auf der Leinwand sichtbar. Sie ist besonders effektiv bei der Identifizierung von Pigmenten, die schwere Elemente enthalten, wie Blei in Bleiweiß oder Quecksilber in Zinnoberrot. Dies ermöglicht die Rekonstruktion von Untermalungen und verborgenen Schichten.
Welche Elemente sind in Röntgenaufnahmen besonders gut sichtbar?
Schwere Elemente absorbieren Röntgenstrahlen am stärksten und erscheinen daher auf den Aufnahmen am hellsten. Dazu gehören vor allem Blei (verwendet in Bleiweiß und Blei-Zinn-Gelb), Quecksilber (in Zinnober), Kupfer (in Azurit oder Grünspan) und Eisen (in Erdpigmenten wie Ocker). Leichtere Elemente, aus denen organische Pigmente bestehen, sind kaum oder gar nicht sichtbar.
Was sind Pentimenti und wie erkennt man sie?
Pentimenti (italienisch für „Reuespuren“) sind Änderungen, die ein Künstler während des Malprozesses vorgenommen hat und die später übermalt wurden. Da diese Korrekturen oft mit pigmentdichten Farben wie Bleiweiß ausgeführt wurden, werden sie durch Röntgenanalyse sichtbar. Sie geben faszinierende Einblicke in den kreativen Prozess und die ursprünglichen kompositorischen Ideen des Künstlers.