
Der wirksamste Schutz für Ihre Kunst zu Hause liegt nicht in teurer Technik, sondern im Verständnis der unsichtbaren Gefahren und gezielter Prävention.
- Klimaschwankungen (Temperatur, Feuchtigkeit) sind die größte Bedrohung für Holz und Leinwand.
- UV-Strahlung aus Sonnenlicht verursacht irreversible Farbschäden (photochemischer Zerfall).
- Unsachgemäße Reinigung mit Hausmitteln führt oft zu permanentem Substanzverlust.
Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf präventive Konservierung durch Kontrolle des Raumklimas und hochwertigen UV-Schutz, anstatt auf die spätere, teure Restaurierung zu warten.
Jeder Sammler kennt diesen Moment des Innehaltens: ein feiner, neuer Riss im antiken Holzrahmen, eine kaum wahrnehmbare Wellung der Leinwand nach einem langen Winter. Die Sorge um die eigenen Kunstwerke ist ein ständiger Begleiter. Oft greift man auf altbekannte Ratschläge zurück: Bilder nicht über die Heizung hängen, direkte Sonneneinstrahlung meiden. Diese Tipps sind zwar richtig, kratzen aber nur an der Oberfläche eines weitaus komplexeren Themas.
Die Wahrheit ist, dass Ihre Kunstwerke in Ihrem Wohnzimmer einem ständigen, unsichtbaren Bombardement ausgesetzt sind. Es sind nicht nur die offensichtlichen Gefahren, sondern subtile physikalische und chemische Prozesse, die langsam, aber unaufhaltsam am Wert und an der Substanz Ihrer Sammlung nagen. Der wahre Schutz Ihrer Kunst beginnt daher nicht mit starren Museumsregeln, sondern mit dem Verständnis dieser Prozesse. Was, wenn der Schlüssel nicht darin liegt, Ihr Zuhause in ein Museum zu verwandeln, sondern darin, die Wissenschaft der Konservierung in einfache, umsetzbare Strategien für den Alltag zu übersetzen?
Dieser Artikel führt Sie als fürsorglicher Konservator durch die größten Risiken für Ihre Kunstwerke im privaten Umfeld. Wir werden die wissenschaftlichen Ursachen für typische Schäden entschlüsseln und Ihnen praktische, bewährte Methoden an die Hand geben, um Ihre Schätze effektiv und nachhaltig zu schützen – von der richtigen Luftfeuchtigkeit bis zur Notfallreaktion bei einem Wasserschaden.
Für all jene, die einen visuellen Einblick in die Handwerkskunst schätzen, die hinter dem Schutz von Kunstwerken steht, bietet das folgende Video einen schönen Blick hinter die Kulissen einer traditionsreichen Galerie und Einrahmungswerkstatt.
Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, wie Sie die Langlebigkeit Ihrer Sammlung sichern können, haben wir die wichtigsten Aspekte der präventiven Konservierung für Sie strukturiert. Das folgende Inhaltsverzeichnis führt Sie durch die zentralen Themen und praktischen Lösungen.
Inhaltsverzeichnis: Der Leitfaden eines Konservators zum Schutz Ihrer Kunstsammlung
- Warum Ihr Holzrahmen im Winter reißt und wie ein einfacher Luftbefeuchter hilft
- Museumsglas vs. normales Glas: Lohnt sich der 5-fache Preis für Ihre Grafik?
- Wie erkennen Sie Papierfischchen hinter dem Rahmen, bevor das Bild gefressen ist?
- Der Fehler mit dem Hausmittel: Warum Sie niemals eine Kartoffel auf ein Ölbild reiben
- Was tun in den ersten 30 Minuten, wenn die Heizung über das Bild tropft?
- Passepartout oder nicht: Welches Glas schützt Ihre Grafik vor dem Vergilben?
- Hochdruckreiniger oder Bürste: Wie entfernen Sie Moos, ohne die Oberfläche zu zerstören?
- Was tun, wenn Ihr 20.000 € Kunstwerk aus Schokolade oder Fett zu schimmeln beginnt?
Warum Ihr Holzrahmen im Winter reißt und wie ein einfacher Luftbefeuchter hilft
Im Winter, wenn die Heizung auf Hochtouren läuft, sinkt die Luftfeuchtigkeit in unseren Wohnräumen drastisch. Für Ihre Kunstwerke beginnt damit eine Zeit des Stresses. Holz und Leinwand sind hygroskopische Materialien, das heißt, sie nehmen Feuchtigkeit aus der Luft auf oder geben sie ab, um ein Gleichgewicht mit ihrer Umgebung herzustellen. Trockene Heizungsluft entzieht diesen Materialien Feuchtigkeit, was zu einer hygroskopischen Reaktion führt: Das Material zieht sich zusammen. Dieser Prozess verursacht enorme Spannungen, die sich in Form von Rissen im Holzrahmen oder einer spröde werdenden Leinwand manifestieren.
Die Lösung liegt in der Klimakontrolle. Es geht nicht darum, auf das Heizen zu verzichten, sondern die Luftfeuchtigkeit aktiv zu steuern. Als konservatorischer Richtwert gilt: Experten empfehlen für Kunstwerke eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 45-60% bei einer Raumtemperatur von etwa 21°C. Dieser Korridor minimiert die physikalische Belastung für die Materialien. Ein einfaches Hygrometer zur Messung und ein Luftbefeuchter sind die wirkungsvollsten Werkzeuge für die präventive Konservierung in Ihrem Zuhause.

Wie die Abbildung verdeutlicht, sind die Schäden oft erst bei genauerem Hinsehen sichtbar, entwickeln sich aber stetig weiter. Neben technischen Geräten können auch einfache Maßnahmen helfen, das Klima zu stabilisieren. Zimmerpflanzen, das Trocknen von Wäsche im Raum oder Keramik-Verdunster an den Heizkörpern sind sinnvolle Ergänzungen, um die Luftfeuchtigkeit auf einem für Ihre Kunstwerke gesunden Niveau zu halten.
Museumsglas vs. normales Glas: Lohnt sich der 5-fache Preis für Ihre Grafik?
Licht, insbesondere das unsichtbare UV-Licht der Sonne, ist einer der heimtückischsten Feinde Ihrer Kunstwerke. Es löst einen Prozess aus, der als photochemischer Zerfall bekannt ist. Dabei werden die Moleküle in den Farbpigmenten und im Papier chemisch verändert, was zu einem unumkehrbaren Verblassen der Farben und zum Vergilben des Papiers führt. Die Frage ist also nicht, ob man ein Bild vor Licht schützt, sondern wie effektiv dieser Schutz ist. Hier kommt die Wahl des richtigen Glases ins Spiel.
Standard-Normalglas, wie es in den meisten günstigen Rahmen verwendet wird, bietet so gut wie keinen UV-Schutz. Es schützt lediglich vor Staub und physischen Berührungen. Museumsglas hingegen ist eine Hightech-Lösung, die speziell dafür entwickelt wurde, schädliche UV-Strahlung zu blockieren, während es gleichzeitig entspiegelt und farbneutral ist. Der Preisunterschied ist erheblich, aber die Schutzwirkung ist es auch. Für wertvolle Grafiken, Aquarelle oder Fotografien ist die Investition in hochwertiges Glas eine entscheidende Maßnahme der präventiven Konservierung.
Die Unterschiede in der Schutzwirkung sind markant, wie eine vergleichende Analyse der Glasarten zeigt. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften zusammen.
| Glasart | UV-Schutz | Eignung | Preisniveau |
|---|---|---|---|
| Normalglas | ca. 8% | Basis-Schutz | € |
| Acrylglas | ca. 90% | Guter Schutz, leicht | €€ |
| Museumsglas | ca. 99% | Optimaler Schutz | €€€€€ |
Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt vom Wert – sowohl materiell als auch ideell – des Kunstwerks ab. Für eine limitierte Edition oder ein empfindliches Aquarell ist Museumsglas wie MIROGARD® keine Luxusausgabe, sondern eine Versicherung gegen den schleichenden Substanzverlust. Es lässt sich in der Regel auch nachträglich in bestehende Rahmen einsetzen.
Wie erkennen Sie Papierfischchen hinter dem Rahmen, bevor das Bild gefressen ist?
Neben Klima und Licht gibt es eine dritte, oft übersehene Gefahr, die im Verborgenen lauert: Schädlinge. Insekten wie Papierfischchen, Silberfischchen oder Mottenlarven fühlen sich in ruhigen, dunklen und klimatisch stabilen Umgebungen wohl – genau wie Ihre Kunstwerke. Sie ernähren sich von organischen Materialien wie Papier, Leim und Leinwand. Ein Befall bleibt oft lange unentdeckt, da er meist auf der Rückseite des Bildes beginnt. Wenn die Fraßspuren auf der Vorderseite sichtbar werden, ist der Substanzverlust oft schon erheblich.
Der Schlüssel zur Bekämpfung von Schädlingen ist die regelmäßige und systematische Inspektion. Sie müssen kein Insektenexperte sein, um erste Anzeichen zu erkennen. Eine halbjährliche Routineprüfung ist eine der effektivsten Maßnahmen der präventiven Konservierung. Achten Sie auf feinen Staub (Insektenkot), kleine Löcher oder „schürfende“ Spuren an den Rändern des Papiers oder der Leinwand. Eine gute Taschenlampe und ein aufmerksamer Blick sind Ihre besten Werkzeuge.
Die regelmäßige Kontrolle gibt Ihnen die Möglichkeit, ein Problem zu erkennen, bevor es katastrophale Ausmaße annimmt. Finden Sie Anzeichen für einen Befall, isolieren Sie das Werk sofort von anderen und ziehen Sie einen professionellen Restaurator zurate. Er kann den Befall identifizieren und eine gezielte, für das Kunstwerk schonende Behandlung durchführen.
Ihre Checkliste für die halbjährliche Inspektion
- Vorsichtig abnehmen: Nehmen Sie das Bild behutsam von der Wand.
- Rückseite beleuchten: Leuchten Sie die gesamte Rückseite und die Ränder mit einer Taschenlampe ab.
- Auf Kot prüfen: Suchen Sie nach kleinen, dunklen Punkten oder feinem „Staub“ auf der Rückwandpappe oder der Leinwand.
- Fraßspuren suchen: Achten Sie auf feine, unregelmäßige Spuren oder Löcher am Rand von Papier und Leinwand.
- Verfärbungen dokumentieren: Halten Sie gelbliche oder bräunliche Flecken, die auf Feuchtigkeit oder Schimmel hindeuten könnten, fotografisch fest.
Der Fehler mit dem Hausmittel: Warum Sie niemals eine Kartoffel auf ein Ölbild reiben
Der Wunsch, ein verschmutztes oder vergilbtes Gemälde wieder zum Strahlen zu bringen, ist verständlich. Im Internet und in alten Haushaltsratgebern kursieren zahlreiche „Geheimtipps“ zur Reinigung von Ölgemälden, die von der Verwendung von Speichel über Brotkrumen bis hin zur berüchtigten Kartoffelscheibe reichen. Als Konservator kann ich nur eindringlich davor warnen: Diese Methoden sind extrem gefährlich für Ihr Kunstwerk. Das zentrale Prinzip der professionellen Restaurierung ist die Reversibilität – jeder Eingriff muss im Prinzip wieder rückgängig gemacht werden können. Hausmittel verstoßen fundamental gegen diese Regel.
Stärke aus einer Kartoffel oder Enzyme aus Speichel dringen in die mikroskopisch kleinen Poren der Farbschicht und des Firnis ein. Sie hinterlassen organische Rückstände, die nicht mehr entfernt werden können. Diese Rückstände können langfristig zu Verfärbungen führen, Schimmelpilzen einen Nährboden bieten oder die Farbschicht chemisch angreifen. Der scheinbare Reinigungseffekt ist kurzfristig, der angerichtete Substanzverlust jedoch permanent.

Die Fachwelt ist sich in diesem Punkt einig, wie auch Experten für Haushaltsanwendungen betonen. Die Redaktion von Talu.de, einem Portal für Heimwerker-Tipps, rät explizit von solchen Experimenten ab:
Oftmals hört man von Hausmitteln wie Speichel, Kartoffeln oder auch Brot, mit denen man Ölgemälde reinigen kann – wir raten von diesen schnellen Alternativen ab. Die Kosten für Ochsengalle, Anacrosina, sowie auch Firnis sind so gering, dass man das Geld durchaus investieren kann. So sind Sie auf jeden Fall auf der sicheren Seite.
– Talu.de Redaktion, Ölgemälde reinigen – Anleitung
Die professionelle Reinigung beschränkt sich auf das vorsichtige Abstauben mit einem weichen, trockenen Pinsel oder Tuch. Hartnäckiger Schmutz wie Insektenexkremente kann punktuell mit einem minimal feuchten Wattestäbchen (destilliertes Wasser, eventuell mit einem Tropfen neutraler Seife) herausgetupft werden. Dabei darf nie Druck auf die Leinwand ausgeübt werden. Bei allem, was darüber hinausgeht, ist der Gang zum Restaurator unerlässlich.
Was tun in den ersten 30 Minuten, wenn die Heizung über das Bild tropft?
Ein Wasserschaden ist der Albtraum eines jeden Sammlers. Ob ein geplatztes Heizungsrohr, ein undichtes Dach oder ein umgekipptes Glas – Wasser kann in kürzester Zeit verheerende und irreversible Schäden an einem Kunstwerk anrichten. Feuchtigkeit lässt die Leinwand aufquellen und wieder schrumpfen, was zu Rissen in der Farbschicht führt. Pigmente können ausbluten, und es entsteht ein idealer Nährboden für Schimmel. In einer solchen Notfallsituation zählt jede Minute. Ihr schnelles und korrektes Handeln in den ersten 30 Minuten kann über den Erhalt oder den Totalverlust des Werkes entscheiden.
Das oberste Gebot lautet: Ruhe bewahren und methodisch vorgehen. Panisches Reiben oder der Einsatz eines Föhns sind die häufigsten Fehler und verschlimmern den Schaden nur. Reibung arbeitet das Wasser tiefer in die Malschicht ein, während Hitze durch einen Föhn zu unkontrolliertem Trocknen führt, was Fleckenbildung und Risse (Krakelee) zur Folge hat. Der Fokus liegt darauf, das Wasser so schonend wie möglich von der Oberfläche zu entfernen und das Kunstwerk für die professionelle Begutachtung zu stabilisieren.
Die folgenden Sofortmaßnahmen sind entscheidend, um den Schaden zu minimieren, bevor ein Restaurator übernimmt:
- Sofort entfernen: Nehmen Sie das Bild umgehend von der Wand.
- Waagerecht legen: Legen Sie es auf eine saubere, trockene und flache Oberfläche, mit der Bildseite nach oben.
- Handschuhe tragen: Benutzen Sie saubere Baumwollhandschuhe. Hautfette können permanente Fingerabdrücke auf der empfindlichen Oberfläche hinterlassen.
- Vorsichtig abtupfen: Tupfen Sie stehendes Wasser vorsichtig mit einem sauberen, saugfähigen und fusselfreien Material (z.B. Löschpapier, Mikrofasertuch) ab. Niemals reiben!
- Schaden dokumentieren: Fotografieren Sie den Schaden aus verschiedenen Winkeln für die Versicherung und den Restaurator.
- Restaurator kontaktieren: Rufen Sie unverzüglich einen qualifizierten Gemälderestaurator an und schildern Sie die Situation.
Selbst wenn der Schaden gering erscheint, kann Feuchtigkeit, die in die Leinwand eingedrungen ist, noch Tage später zu Problemen führen. Nur ein Experte kann das Ausmaß wirklich beurteilen.
Passepartout oder nicht: Welches Glas schützt Ihre Grafik vor dem Vergilben?
Bei der Rahmung von Grafiken, Aquarellen oder Zeichnungen auf Papier stehen Sammler oft vor der Frage: mit oder ohne Passepartout? Ein Passepartout ist weit mehr als nur ein dekoratives Element. Es ist ein fundamentaler Bestandteil der präventiven Konservierung und erfüllt zwei entscheidende Schutzfunktionen. Ohne ein Passepartout würde die Oberfläche des Kunstwerks direkt auf dem Glas aufliegen. Mikroklimatische Schwankungen können dazu führen, dass die Bildoberfläche am Glas „ankondensiert“ und festklebt, was zu irreparablen Schäden beim Versuch einer Trennung führt.
Die zweite, ebenso wichtige Funktion ist der Schutz vor Säure. Standard-Passepartouts und vor allem die Rückwandkartons vieler günstiger Rahmen sind säurehaltig. Diese Säure wandert im Laufe der Zeit in das Papier des Kunstwerks und verursacht die typische bräunliche Verfärbung und Brüchigkeit, die man von altem Zeitungspapier kennt. Ein hochwertiges, säurefreies Passepartout in Museumsqualität schafft eine schützende Barriere zwischen dem Kunstwerk und potenziell schädlichen Materialien im Rahmen.
Die Fachredaktion von AllesRahmen.de fasst den wichtigsten physischen Vorteil prägnant zusammen:
Die Verwendung eines Passepartouts kann ein Bild in vielerlei Hinsicht schützen. Die Oberfläche des Motivs liegt bei der Verwendung eines Passepartouts nicht direkt auf dem Bildglas auf, wodurch die Oberfläche auch nicht an der Scheibe kleben kann.
– AllesRahmen.de Fachredaktion, Die größten Feinde des Bildes
In Kombination mit dem richtigen Glas wird der Schutz perfektioniert. Während das Passepartout den physischen und chemischen Schutz im Inneren des Rahmens sicherstellt, schützt das Glas vor äußeren Einflüssen. Hierbei ist der UV-Schutz entscheidend. Moderne Spezialgläser bieten einen UV-Schutz von bis zu 97% und mehr, was den photochemischen Zerfall des Papiers und der Farben drastisch verlangsamt. Die Kombination aus säurefreiem Passepartout und UV-Schutzglas ist somit der Goldstandard für die Konservierung von Arbeiten auf Papier.
Hochdruckreiniger oder Bürste: Wie entfernen Sie Moos, ohne die Oberfläche zu zerstören?
Für Sammler, deren Leidenschaft sich nicht nur auf Gemälde beschränkt, sondern auch Skulpturen im Außenbereich umfasst, stellt sich eine ganz andere Art von konservatorischer Herausforderung: die Witterung. Regen, Frost und biologischer Bewuchs wie Moose, Algen und Flechten greifen die Oberflächen von Stein oder Bronze kontinuierlich an. Der Wunsch, eine bemooste Skulptur zu reinigen, ist nachvollziehbar, doch hier ist größte Vorsicht geboten. Aggressive Methoden können mehr schaden als nutzen.
Der größte Fehler bei der Reinigung von Außenskulpturen ist der Einsatz eines Hochdruckreinigers. Der harte Wasserstrahl entfernt zwar den grünen Belag, zerstört aber gleichzeitig die Patina – die über Jahrzehnte oder Jahrhunderte gewachsene, schützende Oberflächenschicht der Skulptur. Bei Stein kann er die mikroporöse Struktur aufrauen, was zukünftigen Bewuchs sogar noch begünstigt. Bei Bronze trägt er die wertvolle, vom Künstler oft intendierte Patina ab und legt das blanke Metall frei.
Die professionelle Herangehensweise ist sanft und methodisch. Eine schonende Reinigung ist der Schlüssel, um den Substanzverlust zu minimieren und den Charakter des Objekts zu erhalten. Die folgenden Schritte sind ein Leitfaden für die Grundpflege:
- Manuelle Entfernung: Größere Verschmutzungen und loser Bewuchs sollten zuerst mit lauwarmem Wasser und einer weichen Bürste (keine Drahtbürste!) vorsichtig entfernt werden.
- pH-neutrale Reiniger: Bei hartnäckigem Bewuchs können spezielle, im Fachhandel erhältliche pH-neutrale Reiniger für Stein oder Bronze verwendet werden. Testen Sie diese immer zuerst an einer unauffälligen Stelle.
- Konservierung nach Reinigung: Insbesondere Bronzeobjekte sollten nach der Reinigung mit einem speziellen Mikrokristallwachs konserviert werden, um die Oberfläche vor erneuter Korrosion zu schützen.
- Expertenrat einholen: Bei wertvollen Stücken oder starken Beschädigungen ist die Konsultation eines auf Stein- oder Metallrestaurierung spezialisierten Fachmanns unerlässlich.
Der Grundsatz lautet auch hier: Weniger ist mehr. Die Spuren der Zeit sind Teil der Geschichte einer Außenskulptur. Eine zu aggressive Reinigung zerstört diese Authentizität für immer.
Das Wichtigste in Kürze
- Stabiles Klima ist entscheidend: Kontrollieren Sie die relative Luftfeuchtigkeit (ideal 45-60%) und Temperatur, um physikalische Schäden an Holz und Leinwand zu vermeiden.
- UV-Schutz ist nicht verhandelbar: Investieren Sie in hochwertiges Museumsglas, um irreversible Farbschäden durch Sonnenlicht zu verhindern.
- Regelmäßige Inspektion ist Pflicht: Überprüfen Sie Ihre Kunstwerke halbjährlich auf der Rückseite, um Schädlingsbefall oder Schimmel frühzeitig zu erkennen.
Was tun, wenn Ihr 20.000 € Kunstwerk aus Schokolade oder Fett zu schimmeln beginnt?
Die zeitgenössische Kunst hat die Grenzen traditioneller Materialien gesprengt. Werke von Künstlern wie Joseph Beuys, der mit Fett und Filz arbeitete, oder Dieter Roth, der Schokolade und Gewürze verwendete, stellen die Konservierung vor völlig neue Herausforderungen. Diese organischen, oft vergänglichen Materialien sind nicht auf Ewigkeit ausgelegt. Sie verändern sich, altern und sind anfällig für Probleme, die bei einem Ölgemälde undenkbar wären – wie zum Beispiel Schimmelbildung auf einem teuren Kunstwerk aus Fett.
Wenn Sie ein solches Werk besitzen und erste Anzeichen von Schimmel entdecken, ist schnelles und überlegtes Handeln gefordert. Der deutsche Künstler Joseph Beuys selbst hat die prozesshafte Natur solcher Arbeiten treffend beschrieben.
Der deutsche Künstler Joseph Beuys hat den oft zitierten Satz gesagt: ‚Daher ist die Natur meiner Skulpturen nicht festgelegt und abgeschlossen.‘
– Joseph Beuys, Arte Generali – Konservierung und Restaurierung
Diese Aussage impliziert, dass Veränderung Teil des Konzepts sein kann, doch unkontrollierter Verfall durch Schimmel ist damit nicht gemeint. Hier handelt es sich um einen akuten Schaden, der einen dringenden Handlungsbedarf bei drohendem Substanzverlust signalisiert. Die größte Gefahr ist die Verbreitung der Sporen auf andere Kunstwerke und im Raum.
Folgende Sofortmaßnahmen sind in einem solchen Fall unerlässlich:
- Sofort isolieren: Tragen Sie Handschuhe und Mundschutz. Bringen Sie das Kunstwerk umgehend in einen separaten, gut belüfteten Raum, um die Kontamination zu stoppen.
- Detailliert dokumentieren: Fotografieren Sie den Befall aus nächster Nähe und aus der Ferne. Diese Dokumentation ist für den Restaurator und eventuelle Versicherungsansprüche entscheidend.
- Galerie oder Künstlerarchiv kontaktieren: Oft gibt es spezifische Anweisungen vom Künstler oder seinem Nachlass zur Handhabung und Konservierung solcher Werke.
- Spezialisierten Restaurator finden: Suchen Sie einen Restaurator, der auf moderne Materialien und zeitgenössische Kunst spezialisiert ist. Er wird Proben nehmen und eine Testrestaurierung durchführen, bevor er das gesamte Werk behandelt.
Der Besitz solcher Kunstwerke ist eine besondere Verantwortung. Er erfordert eine noch intensivere Form der präventiven Konservierung und die Akzeptanz, dass der Erhaltungsaufwand Teil des Werkes selbst ist.
Der Schutz Ihrer Kunstsammlung ist ein fortlaufender Prozess, eine Form der aktiven Fürsorge. Beginnen Sie noch heute damit, diese Strategien umzusetzen. Der erste und einfachste Schritt ist eine gründliche Inspektion Ihrer wertvollsten Stücke, um deren aktuellen Zustand zu bewerten und einen Plan für ihre langfristige Erhaltung zu erstellen.
Fragen und Antworten zum Schutz von Kunstwerken
Wie viel Luftfeuchtigkeit ist ideal für Ölgemälde?
Für Ölgemälde und andere Kunstwerke aus organischen Materialien wie Holz und Leinwand wird eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 45% und 60% bei einer konstanten Raumtemperatur von etwa 20-22°C empfohlen. Starke Schwankungen sind schädlicher als ein konstant leicht zu hoher oder zu niedriger Wert.
Kann man ein vergilbtes Ölgemälde selbst reinigen?
Nein, davon ist dringend abzuraten. Die Vergilbung ist meist eine Alterung des Firnis (der obersten Schutzschicht). Eine Reinigung erfordert die Abnahme dieses Firnis mit speziellen Lösungsmitteln, was nur von einem ausgebildeten Restaurator durchgeführt werden darf. Hausmittel wie Kartoffeln oder Brot verursachen irreversible Schäden.
Was ist der Unterschied zwischen Acrylglas und Museumsglas?
Der Hauptunterschied liegt im UV-Schutz und in der Entspiegelung. Während einfaches Acrylglas bereits einen guten UV-Schutz von ca. 90% bieten kann, ist es oft nicht entspiegelt. Echtes Museumsglas blockiert bis zu 99% der UV-Strahlung, ist nahezu unsichtbar durch eine hochwertige beidseitige Entspiegelung und absolut farbneutral.