Veröffentlicht am März 11, 2024

Der Wert Ihrer Performance liegt nicht im flüchtigen Moment, sondern in der strategischen Umwandlung ihrer Spuren in handelbare Assets.

  • Rechtliche Verträge und kuratierte Dokumentationen sind keine Nebensache, sondern die Basis Ihres Geschäftsmodells.
  • Requisiten werden durch konzeptuelle Aufladung zu wertvollen Artefakten mit eigenem Marktwert.

Empfehlung: Denken Sie nicht als Künstler, der ein Werk aufführt, sondern als Galerist, der ein Portfolio aus Rechten, Objekten und exklusiven Erlebnissen managt.

Das zentrale Paradox der Performance-Kunst ist zugleich Ihre größte wirtschaftliche Herausforderung: Sie erschaffen ein Werk, das im Moment seiner Vollendung bereits vergangen ist. Wie kann etwas, das auf Flüchtigkeit basiert, ein nachhaltiges Einkommen generieren? Viele Künstler konzentrieren sich auf Ticketverkäufe oder hoffen auf Fördergelder, doch dies greift zu kurz. Es behandelt die Performance als einmaliges Ereignis statt als Ursprung einer ganzen Wertschöpfungskette.

Die gängige Antwort – die Dokumentation durch Fotos und Videos – kratzt nur an der Oberfläche. Oftmals wird sie als reines Archivmaterial missverstanden und ihr kommerzielles Potenzial völlig ignoriert. Der wahre Wandel in der Denkweise liegt darin, die Performance nicht als Produkt, sondern als einen wertschöpfenden Prozess zu begreifen. Jede Spur, die dieser Prozess hinterlässt, ist ein potenzielles „Aufführungs-Asset“: das Recht zur Wiederaufführung, die limitierte Fotodokumentation, das im Akt transformierte Requisit oder sogar die Anleitung für zukünftige Interpretationen.

Dieser Leitfaden bricht mit der Vorstellung, dass Sie nur Ihre Zeit und Anwesenheit verkaufen. Stattdessen zeige ich Ihnen als Ihr strategischer Partner – Ihr Galerist –, wie Sie ein robustes Geschäftsmodell um Ihre flüchtige Kunst herum aufbauen. Wir werden die Spuren Ihrer Arbeit – ob rechtlich, physisch oder digital – nicht nur sichern, sondern sie in exklusive, handelbare Güter verwandeln. Wir behandeln Ihre Kunst als das, was sie sein kann: eine Quelle für nachhaltigen Wert, der weit über den Applaus am Ende der Vorstellung hinausgeht.

In diesem Artikel führen wir Sie durch die entscheidenden strategischen Bausteine, um aus Ihrer flüchtigen Kunst ein tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die Themen, die wir detailliert beleuchten werden.

Darf ein Museum Ihre Performance ohne Sie aufführen, wenn es das „Konzept“ kauft?

Die vielleicht abstrakteste, aber wertvollste Spur Ihrer Arbeit ist das Konzept selbst – die „Werk-DNA“. Die Frage, ob ein Käufer wie ein Museum dieses Konzept ohne Ihre Mitwirkung neu aufführen darf, ist von zentraler Bedeutung für die langfristige Monetarisierung. Die Antwort liegt im deutschen Urheberrecht. Eine Performance kann eine persönliche geistige Schöpfung sein und damit urheberrechtlichen Schutz genießen.

Dies wurde grundlegend in einem Streit um Fotografien von Joseph Beuys bestätigt. Der Bundesgerichtshof (BGH) stellte fest, dass eine Performance je nach Ausgestaltung als Werk der bildenden Künste oder als Bühnenwerk schutzfähig ist. Laut einer Analyse dieses Urteils kann eine Performance als urheberrechtlich geschützt gelten, wenn sie eine besondere eigentümliche Gestaltung aufweist. Das bedeutet: Sie verkaufen nicht nur eine Idee, sondern ein geschütztes Werk. Der Käufer erwirbt damit nicht automatisch das Recht, es beliebig zu reproduzieren. Sie können die Bedingungen für eine Wiederaufführung präzise definieren und lizenzieren.

Der Verkauf des reinen Konzepts ist somit eine hochkarätige Form der Wertschöpfung. Es ermöglicht dem Werk, über Ihre physische Präsenz hinaus zu existieren und Einnahmen zu generieren. Dies erfordert jedoch wasserdichte Verträge, die genau festlegen, wer das Werk wie, wo und wie oft neu interpretieren darf. Ein Veto- oder Konsultationsrecht für Sie als Künstler ist dabei ein entscheidender Hebel, um die Integrität Ihres Werkes zu wahren und dessen Wert zu steigern.

Warum schlechte Handyfotos den Marktwert Ihrer Performance zerstören

Nach dem Konzept ist die Dokumentation die nächste wichtige Spur in Ihrer Wertschöpfungskette. Doch hier wird oft der größte Fehler begangen: Man überlässt die Dokumentation dem Zufall und den Handys des Publikums. Das Ergebnis ist ein Meer aus verwackelten, schlecht ausgeleuchteten Bildern, die den wahren Charakter Ihrer Arbeit entwerten. Diese Bilderflut schafft eine falsche, inflationäre Verfügbarkeit und suggeriert, das Werk sei beliebig und billig reproduzierbar. Sie zerstört die kuratierte Knappheit, die für den Kunstmarkt essenziell ist.

Performance wird oft als „Live-Art“ definiert, eine Kunstform, bei der Werke erst im Vollzug entstehen. Wie der Fachartikel „Wessen Ordnung?“ auf Perfomap erläutert, ist die Dokumentation nicht nur ein Abbild, sondern eine eigenständige künstlerische Praxis, die die Wahrnehmung des Werks formt. Eine professionelle, durchdachte Dokumentation ist daher kein Kostenfaktor, sondern eine Investition. Sie ist ein eigenständiges „Aufführungs-Asset“.

Anstatt Hunderte mittelmäßiger Bilder zuzulassen, kontrollieren Sie die Bilderzeugung. Beauftragen Sie einen professionellen Fotografen, der Ihre Vision versteht. Erstellen Sie eine limitierte, von Ihnen autorisierte und signierte Edition von Fotografien. Diese Edition wird zum sammelwürdigen Objekt. Sie erzählen damit die Geschichte von Exklusivität und Qualität, nicht von beiläufiger Schnappschuss-Kultur. Jedes Bild, das Sie freigeben, muss den Wert Ihrer Marke steigern, nicht verwässern. Ein striktes Fotoverbot während der Performance, kombiniert mit der Veröffentlichung einer einzigen, perfekten Bildserie, ist eine machtvolle Geste der Wertschöpfung.

Ein Fotograf dokumentiert eine Performance-Kunst mit professioneller Ausrüstung, während im Hintergrund die verschwommene Silhouette des Künstlers zu sehen ist.

Die Perspektive des Dokumentaristen ist entscheidend. Sie übersetzt die dreidimensionale, zeitbasierte Erfahrung in ein zweidimensionales, permanentes Medium. Diese Übersetzung ist selbst ein kreativer Akt, der den Wert des ursprünglichen Werks entweder steigern oder schmälern kann. Die Kontrolle über diesen Prozess ist daher nicht verhandelbar.

Wie Sie die Requisiten der Performance zu teuren Artefakten machen

Jedes Objekt, das Sie in Ihrer Performance verwenden, hat das Potenzial, von einer einfachen Requisite zu einem wertvollen Artefakt zu werden. Dieser Prozess ist die „konzeptuelle Aufladung“: Durch den rituellen Gebrauch im künstlerischen Akt wird das Objekt mit Bedeutung, Geschichte und Ihrer Aura als Künstler versehen. Es ist nicht mehr nur ein Stuhl, ein Tuch oder ein Stein – es ist der stumme Zeuge, das Überbleibsel eines einzigartigen Ereignisses. Joseph Beuys‘ Konzept der „Sozialen Plastik“ ist hierfür ein Paradebeispiel, bei dem Objekte durch ihre Rolle in der Performance eine tiefere Bedeutung erhielten.

Der Verkauf dieser Artefakte ist eine direkte und oft lukrative Einnahmequelle. Wichtig ist hierbei die steuerliche Unterscheidung in Deutschland: Während für die künstlerische Darbietung selbst oft der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % gilt, wird der Verkauf von Performance-Artefakten in der Regel mit 19 % USt besteuert. Dies muss in Ihrer Preisgestaltung berücksichtigt werden. Der Schlüssel zur Wertsteigerung liegt in der formalen Bestätigung ihrer Einzigartigkeit: dem Authentizitätszertifikat. Dieses Dokument ist mehr als nur ein Echtheitsbeweis; es ist die offizielle Geschichtsschreibung des Objekts.

Ein Zertifikat sollte präzise dokumentieren, welche Rolle das Objekt in der Performance spielte, wann und wo es verwendet wurde, und seine Provenienz lückenlos nachweisen. Hochwertige Fotos des Objekts im Performance-Kontext und Ihre persönliche Signatur sind unerlässlich. Für besonders wertvolle Stücke kann eine notarielle Beglaubigung den Marktwert zusätzlich erheblich steigern. So transformieren Sie einen materiellen Gegenstand in ein immaterielles Gut mit Sammlerwert.

Ihr Plan zur Erstellung eines Authentizitätszertifikats

  1. Datum und Ort: Dokumentieren Sie präzise, wann und wo die Performance stattfand, in der das Objekt verwendet wurde.
  2. Rollenbeschreibung: Beschreiben Sie detailliert die Funktion und symbolische Bedeutung des Objekts innerhalb des Stücks.
  3. Kontext-Fotografie: Fotografieren Sie das Artefakt professionell, idealerweise mit einem Bild, das seine Verwendung in der Performance zeigt.
  4. Provenienznachweis: Erstellen Sie eine lückenlose Historie des Objekts und versehen Sie das Dokument mit Ihrer handschriftlichen Signatur und ggf. einer Editionsnummer.
  5. Notarielle Beglaubigung: Erwägen Sie bei hochwertigen Artefakten eine notarielle Beglaubigung, um den Marktwert und die Fälschungssicherheit zu maximieren.

Lohnt sich Pay-per-View für Performance-Kunst im Netz?

Die Digitalisierung eröffnet neue Wege, um ein Publikum über den physischen Raum hinaus zu erreichen und Einnahmen zu generieren. Pay-per-View (PPV) oder exklusive Mitgliedschaftsbereiche sind verlockende Optionen. Doch die Wahl der richtigen Plattform ist entscheidend, gerade im deutschen und europäischen Kontext, wo Datenschutz (DSGVO) eine große Rolle spielt. Internationale Giganten wie Patreon sind bekannt, aber es gibt starke deutsche Alternativen.

Plattformen wie Steady oder Startnext bieten nicht nur DSGVO-Konformität und deutsche Zahlungsmethoden, sondern sind auch in der lokalen Förderlandschaft oft besser verankert. Eine vergleichende Analyse digitaler Monetarisierungsstrategien zeigt, dass die Entscheidung für eine Plattform von der Zielgruppe und dem Monetarisierungsmodell abhängt – ob Crowdfunding, Mitgliedschaft oder einmaliger Zugang.

Deutsche vs. internationale Plattformen für Performance-Monetarisierung
Plattform Typ Vorteile Besonderheiten
Steady Deutsch/Europäisch DSGVO-konform Mitgliedschaftsmodelle
Startnext Deutsch/Europäisch Deutsche Zahlungsmethoden Crowdfunding-Fokus
Patreon International Große Reichweite USD-basiert
NFT-Marktplätze Blockchain Digitale Eintrittskarten möglich Krypto-Zahlungen

Eine weitere, technologisch avancierte Option ist die Nutzung von NFTs (Non-Fungible Tokens). Ein NFT kann hier als exklusive, fälschungssichere digitale Eintrittskarte für einen Live-Stream oder als Besitznachweis für eine Videodokumentation dienen. Dies schafft eine neue Form der digitalen Exklusivität und ein sammelbares Asset für ein krypto-affines Publikum. Allerdings ist dies mit Kosten verbunden. So betragen die Kosten für NFT-Minting auf Marktplätzen oft 30 bis 400 € als einmalige Gebühr, zuzüglich Verkaufsprovisionen. Der Aufwand lohnt sich nur, wenn eine klare Strategie und eine entsprechende Zielgruppe vorhanden sind. PPV ist also kein Allheilmittel, sondern ein weiteres Werkzeug in Ihrem Portfolio, das strategisch eingesetzt werden muss.

Was passiert, wenn Sie sich während der Performance verletzen?

Ihr Körper ist Ihr wichtigstes Instrument. Performance-Kunst ist oft physisch fordernd und birgt Verletzungsrisiken. Ein Arbeitsausfall kann für einen freischaffenden Künstler existenzbedrohend sein. In Deutschland gibt es jedoch ein einzigartiges und unverzichtbares Sicherheitsnetz: die Künstlersozialkasse (KSK). Sie ist keine Versicherung, sondern ein System, das selbstständigen Künstlern den Zugang zur gesetzlichen Sozialversicherung ermöglicht.

Wie die offizielle Seite der KSK erklärt, sorgt sie dafür, dass Künstler einen ähnlichen Schutz genießen wie Arbeitnehmer. Das bedeutet: Sie sind in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung versichert, zahlen aber wie ein Angestellter nur etwa die Hälfte der Beiträge. Die andere Hälfte wird durch einen Zuschuss des Bundes und eine Abgabe von Unternehmen, die künstlerische Leistungen verwerten (die Künstlersozialabgabe), finanziert. Für jeden Performance-Künstler in Deutschland ist die Prüfung der Versicherungspflicht über die KSK der erste und wichtigste Schritt zur Absicherung.

Nahaufnahme der Hände eines Performance-Künstlers in Bewegung, mit Fokus auf die körperliche Intensität und Verletzlichkeit der Kunstform.

Neben der KSK gibt es weitere wichtige Absicherungsmaßnahmen. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung, die speziell auf die Risiken von Performern zugeschnitten ist, kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Zudem ist es entscheidend, in Verträgen mit Veranstaltern wie Museen oder Galerien klare Haftungsklauseln zu verhandeln. Bestehen Sie darauf, dass der Veranstalter eine Veranstalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen hat, die auch Personenschäden an Künstlern abdeckt. Ihr Körper ist Ihr Kapital – schützen Sie ihn mit der gleichen Professionalität, mit der Sie Ihre Kunst schaffen.

Warum das Handyvideo nicht reicht, um dem Kulturamt den Erfolg zu beweisen

Fördermittel von Institutionen wie dem städtischen Kulturamt oder Stiftungen sind eine wichtige Säule der Finanzierung. Doch nach der Förderung kommt der Verwendungsnachweis. Hier scheitern viele Künstler, weil sie glauben, ein einfaches Handyvideo der Performance reiche als Erfolgsbeleg aus. Das ist ein Trugschluss. Fördergeber sind keine Kunstkritiker, sondern Verwalter öffentlicher Gelder. Sie benötigen quantifizierbare und qualifizierbare Belege für den „Impact“ Ihres Projekts.

Ein unscharfes Video beweist weder die Zuschauerzahl noch die mediale Resonanz oder die künstlerische Relevanz. Um den Erfolg Ihrer Performance professionell nachzuweisen, müssen Sie von Anfang an metrikenorientiert dokumentieren. Der Verwendungsnachweis ist Ihre Chance, die Tür für zukünftige Förderungen weit aufzustoßen. Denken Sie daran, dass für viele Förderungen, wie auch für die Versicherungspflicht in der KSK, ein bestimmtes Mindesteinkommen aus künstlerischer Tätigkeit nachgewiesen werden muss. Ein professioneller Nachweis hilft dabei, Ihre Tätigkeit als ernsthaftes Gewerbe zu untermauern.

Stellen Sie ein Dossier zusammen, das über die reine künstlerische Dokumentation hinausgeht. Es sollte die folgenden Elemente enthalten, um einen umfassenden Eindruck vom Erfolg zu vermitteln:

  • Kuratierter Pressespiegel: Sammeln Sie alle Erwähnungen in Online- und Printmedien, Blogs und Fachzeitschriften.
  • Dokumentierte Besucherzahlen: Nutzen Sie Ticketabrechnungen, Gästelisten oder plausible Schätzungen, die vom Veranstaltungsort bestätigt werden.
  • Qualitatives Feedback: Führen Sie kurze, aufgezeichnete Interviews mit Zuschauern oder sammeln Sie schriftliche Statements.
  • Nachweis der Anschlussfähigkeit: Listen Sie alle Folgeeinladungen zu Festivals, Ausstellungen oder weiteren Projekten auf, die aus der Performance resultierten.
  • Medienreichweite: Dokumentieren Sie konkrete Zahlen wie die Reichweite von Social-Media-Posts oder die Auflage der Medien, in denen Sie erwähnt wurden.

Wie schreiben Sie eine Anleitung, damit das Werk auch in 100 Jahren korrekt aufgebaut wird?

Wenn Sie Ihre Performance als ein Werk begreifen, das über Ihre eigene Lebenszeit hinaus Bestand haben soll, müssen Sie eine Anleitung für seine Wiederaufführung erstellen. Dieses Dokument – die Partitur, das Skript, die „Werk-DNA“ – ist eines der wertvollsten Assets, das Sie schaffen können. Es ist die Essenz Ihres Werkes, destilliert in eine reproduzierbare Form. Die Kunsttheoretikerin Amelia Jones argumentierte treffend, dass Performance-Kunst erst durch ihre Dokumente zu einem Werk wird, das über den Moment hinaus existiert.

Performancekunst wird laut Amelia Jones erst durch ihre Dokumente zu einem Werk.

– Amelia Jones, zitiert im Seminar „Video Performance II“ der UdK Berlin

Eine solche Anleitung muss extrem präzise sein. Sie muss jede Variable definieren: die exakten Handlungen, die Beschaffenheit der Requisiten, die Lichtstimmung, die Soundkulisse, die Interaktion mit dem Publikum und sogar die intendierte Haltung des Performers. Beschreiben Sie nicht nur das „Was“, sondern auch das „Warum“. Welche Emotion soll erzeugt werden? Welche konzeptuelle Idee steht hinter einer bestimmten Geste? Je präziser die Anleitung, desto mehr Kontrolle behalten Sie über die Integrität Ihres Werkes in der Zukunft.

Ein gutes Beispiel für die Institutionalisierung von Performance-Wissen ist die „Performance Chronik Basel“. Hier haben Künstler und Theoretiker in einem kollaborativen Netzwerk die lokale Performance-Geschichte erforscht und verschiedene Darstellungsformen für die Nachwelt entwickelt. Ihre Anleitung ist nicht nur eine technische Beschreibung, sondern auch eine Form der Geschichtsschreibung. Sie kann als Text, als Diagramm, als Video-Tutorial oder einer Kombination daraus vorliegen. Dieses Dokument ist die ultimative Form der Wertschöpfung: Es macht Ihr Werk unsterblich und handelbar, lange nachdem Sie die Bühne verlassen haben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ihre Performance ist nicht das Produkt, sondern der Beginn einer Wertschöpfungskette aus Rechten, Dokumenten und Artefakten.
  • Kontrollieren Sie die Spuren Ihrer Arbeit: Professionelle Dokumentation und Authentizitätszertifikate schaffen Exklusivität und Wert.
  • Nutzen Sie die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland (KSK) und klare Verträge, um Ihre Existenz als Künstler abzusichern.

Wie verkaufen Sie Tickets für ein Event, das man nicht an die Wand hängen kann?

Nachdem wir die vielen Ebenen der indirekten Monetarisierung beleuchtet haben, kommen wir zum direktesten Weg: dem Ticketverkauf. Aber auch hier gilt es, strategisch zu denken. Sie verkaufen nicht einfach nur einen Eintritt, sondern Zugang zu einem exklusiven Erlebnis. Der Schlüssel liegt in der künstlichen Verknappung und der Schaffung von Mehrwert. Anstatt einen Einheitspreis anzubieten, sollten Sie gestaffelte Preismodelle entwickeln, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen – vom neugierigen Erstbesucher bis zum engagierten Sammler.

Die Kommunikation rund um den Ticketverkauf muss den Wert des Einmaligen betonen. Eine Formulierung wie „Seien Sie einer von nur 30 Menschen, die dieses Werk je live erleben werden“ schafft sofort ein Gefühl von Dringlichkeit und Exklusivität. Der Wert liegt nicht darin, etwas Materielles mit nach Hause zu nehmen, sondern Teil eines unwiederbringlichen Moments gewesen zu sein. Dieses Gefühl ist das eigentliche Produkt, das Sie verkaufen.

Gestaffelte Preismodelle für Performance-Tickets
Ticket-Typ Preis Leistungen Zielgruppe
Standard-Ticket 15-30€ Eintritt zur Performance Allgemeines Publikum
Förderer-Ticket 50-100€ Eintritt + signierte Fotodokumentation Kunstinteressierte
Mäzen-Ticket 200€+ Eintritt + Foto + Vorgespräch mit Künstler Sammler/Förderer
NFT-Minting Pass Variabel Digitale Eintrittskarte als NFT Krypto-affine Sammler

Kombinieren Sie den Ticketverkauf mit den anderen Assets aus Ihrer Wertschöpfungskette. Ein teureres „Förderer-Ticket“ könnte eine limitierte, signierte Fotodokumentation beinhalten. Ein „Mäzen-Ticket“ könnte zusätzlich ein persönliches Gespräch mit Ihnen vor der Performance umfassen. So wird der Ticketkauf zu einer Investition in eine tiefere Beziehung zu Ihnen und Ihrer Kunst. Sie verkaufen nicht nur 60 Minuten Ihrer Zeit, sondern ein gestaffeltes Portfolio an Erlebnissen und exklusiven Gütern.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre künstlerische Praxis durch die Brille eines Strategen zu betrachten. Analysieren Sie die Spuren, die Ihre Arbeit hinterlässt, und entwickeln Sie einen Plan, um jede einzelne in ein wertvolles, handelbares Asset zu verwandeln.

Geschrieben von Friedrich von Hagedorn, Zertifizierter Kunstberater (Art Advisor) und Marktanalyst für zeitgenössische Kunst und Grafik-Editionen. 25 Jahre Erfahrung im Handel mit Blue-Chip-Kunst und Nachlassverwaltung.